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AKTUELLES ∎ Nachrichten und Informationen ∎ News vom 28.07.2021

Wir bauen ein Werkhaus!


An der Beulwitzer Straße entsteht 2022/2023 ein Werkhaus für das Quartier als dringend benötigte soziale, kulturelle und integrative Infrastruktur. Als Zwischenraum zum Ankommen zwischen Herkunft und Zukunft, zwischen Stadt und Land übernimmt das Werkhaus Aufgaben für die ganze Stadt und den Landkreis. Der Planungsentwurf wurde dem Stadtrat der Stadt Saalfeld/Saale am 21. Juli vorgestellt und mit großer Mehrheit beschlossen.

„Das Gelände der Alten Kaserne mit seiner Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete hat sich zum kulturell vielfältigsten und jüngsten Wohnquartier im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt entwickelt. Das Zusammenleben in dieser sozialen und kulturellen Mischung ist für alle eine neue Erfahrung. Durch das Schaffen von Begegnungs-, Entfaltungs- und Arbeitsräumen  kann dieses Zusammenleben zur Chance werden“, sagt Bürgermeister Dr. Steffen Kania und fügt hinzu: „Als ich 2018 ins Amt kam, war nicht klar, ob das Projekt realisiert werden kann. Knackpunkte waren insbesondere die Grundstücksfrage sowie das Finden des richtigen Ingenieurbüros.

Stadt entwickelt IBA-Projekt „Werkhaus in der Beulwitzer Straße“

Der Vorentwurf sieht ein in verschiedene Baukörper gegliedertes Gebäude vor. Entlang der Beulwitzer Straße ordnen sich Kernräume in modularer Bauweise an. Beidseitig werden diese durch Anbauten in unterschiedlichen Größen und Qualitäten ergänzt. In den Kernräumen werden u.a. Büros, Küche, Sanitär, Hausanschluss eingeordnet. Damit steht das Rückgrat des Werkhauses, das durch differenzierte Anbaute erweitert werden kann. Die Freifläche zur Straße dient der Begegnung und öffentlichen Nutzungen. Gegliedert durch die Anbauten entstehen im rückwärtigen Bereich der Hof zum Werken und weitere Aktionsflächen. Perspektivisch kann dieses räumliche Prinzip entlang der Beulwitzer Straße weitergeführt und fortentwickelt werden.

Partizipation und das gemeinsame kreative Schaffen stehen sowohl bei der Planung, beim Bau als auch bei der späteren Nutzung des zukünftigen Werkhauses im Mittelpunkt. Aus dem Arbeitsprozess können ein gegenseitiges Verständnis, eine neue Quartiers-Identität sowie ein Gefühl der Zugehörigkeit und Wertschätzung erwachsen. Gleichzeitig entsteht eine Verbundenheit zum Werkhaus, was den Betrieb und den Unterhalt begünstigt. Die Partizipation erfolgt in mehreren Stufen. So nehmen die Anwohner und Nutzer an der Planung des Ausbaus der Kernmodule, der Erweiterungen und der Freiflächen teil. In Selbstbauphasen können sie an der Aufbereitung von Baustoffen, der Errichtung geeigneter Bauteile sowie am Innenausbau mitarbeiten. So kann das Werkhaus beispielgebend für Koproduktion und Eigenverantwortung werden. „Die Beteiligung an den Selbstbauphasen erstreckt sich nicht nur auf die Anwohner. Vielmehr sind auch Unternehmen u. a mit ihren Azubis eingeladen, mitzutun, denn es geht nicht nur um das Quartier, sondern um das Miteinander der Menschen. Zudem sollen im Sinne eines ressourcenschonenden Bauens vorhandene Baustoffe z. B. Materialien aus dem Abriss des Hauses Auf dem Graben 6 wiederverwendet werden. Die Frage ist dabei stets, wie wenig ist genug“, verdeutlicht Hanka Giller vom Amt für Jugendarbeit, Sport, Soziales den Nachhaltigkeitsgedanken. Um Erwachsene wie Kinder und Jugendliche ins Geschehen besser einzubeziehen, finden während der Sommerwerkstatt in den Sommerferien u. a. Workshops zum Mauern, Tischlern und Kochen statt.

Zum Pressegespräch am 22. Juli erinnerte IBA Thüringen-Geschäftsführerin Dr. Martina Doehler-Behzadi an 2015, als viele Schutzsuchende nach Deutschland kamen und sich infolgedessen auch das Konzept der Internationalen Bauausstellung (IBA) veränderte: „Mit Empathie und Pragmatismus geht es seitdem auch um das Ankommen und Betätigen in neuen Umständen.“ Das geplante Werkhaus in der Beulwitzer Straße verfolge genau diesen Gedanken. „Außergewöhnlich und stark prozessorientiert im leeren Raum“, ergänzte Christoph Majewski, Geschäftsführer Bildungszentrum Saalfeld GmbH.

Hintergrund

Seit 2015 entwickeln das Bildungszentrum Saalfeld, die Stadt Saalfeld/Saale und viele weitere Partner die Werkhaus-Idee anhand von Werkstätten, Freiraumaktivitäten und temporären Raummodulen konsequent weiter. Mit der Objektplanung sind die Arbeitsgemeinschaft ifau (Institut für angewandte Urbanistik), Jesko Fezer und Projektbüro aus Berlin und Hamburg beauftragt. Der Bauprozess mit den Anwohnern als Partizipation wird von Dirk Böhme, Bauwerk 13, aus Saalfeld als Werkhausmanager und dem Quartiersmanagement mit dem Bildungszentrum Saalfeld begleitet.

Planung und Bau für die erste funktionsfähige Ausbaustufe sind mit rund 600.000 Euro veranschlagt. 90 % der Kosten werden aus der Städtebauförderung und den Infrastrukturmitteln (IBA Ergänzungsmittel) beigesteuert. Baustart ist für das Frühjahr 2022 vorgesehen. Bereits in diesem Jahr sollen die Pläne mit den Nutzern konkretisiert, Flächen abgesteckt, Recycling-Material beschafft und Bauteile bemustert werden.

Mit seinem innovativen Konzept und experimentellen Entstehungsprozess ist das Werkhaus ein Projekt der Internationalen Bauausstellung (IBA) Thüringen. 2023 wird das Werkhaus zusammen mit etwa 30 anderen Modellprojekten präsentiert, vor Ort und im Eiermannbau in Apolda.


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Ansprechpartner

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