Schülerinnen und Schüler des Heinrich-Böll-Gymnasiums im Gespräch mit Bürgermeister Dr. Steffen Kania
Im Sitzungssaal des Rathauses der Stadt Saalfeld/Saale trafen sich am 2. Juli 2026 Bürgermeister Dr. Steffen Kania sowie 22 Schülerinnen und Schüler der Klasse 9a des Staatlichen Heinrich-Böll-Gymnasiums mit ihrem Sozialkundelehrer Sascha Roth zu einem offenen Austausch über kommunalpolitische Themen und die Zukunft ihrer Heimatstadt.
Ausgangspunkt des Gesprächs war ein Brief der Schülerinnen und Schüler mit zahlreichen Fragen an den Bürgermeister. Aufgrund der inhaltlichen Tiefe und des Umfangs der Fragen entschied sich Dr. Steffen Kania bewusst gegen eine schriftliche Beantwortung und lud die Klasse stattdessen zu einem persönlichen Gespräch ins Rathaus ein.
Die Schülerinnen und Schüler stellten zunächst ihr Sozialkundeprojekt vor. Im Mittelpunkt standen die Auseinandersetzung mit der eigenen Heimatstadt sowie die Perspektiven junger Menschen in Saalfeld/Saale. Lehrer Thomas Roth ergänzte, dass kommunale Politik kein fester Bestandteil des Lehrplans sei. Umso wertvoller sei die Möglichkeit, direkte Einblicke in die Arbeit einer Stadtverwaltung zu erhalten.
Ein Schwerpunkt des Austauschs war das Freizeitangebot für Kinder und Jugendliche. Bürgermeister Dr. Steffen Kania verwies auf die vier Häuser der offenen Tür mit ihren unterschiedlichen Profilen sowie auf zahlreiche weitere Angebote wie die Summerschool, das Sommerkino im Schlosspark, die Stadt- und Kreisbibliothek, die Jugendredaktion des SRB, das Freibad Saalfeld und das Stadtmuseum Saalfeld. Auch im sportlichen Bereich gebe es vielfältige Möglichkeiten – von frei zugänglichen Sportplätzen über den Downhill-Bereich an den Feengrotten bis hin zum „Ecki“ mit seiner geplanten Erneuerung des im kommenden Jahr. Gleichzeitig machten die Schülerinnen und Schüler darauf aufmerksam, dass viele Angebote ihrer Ansicht nach zu wenig beworben würden. Der Bürgermeister betonte, dass insbesondere die jeweiligen Träger ihre Öffentlichkeitsarbeit weiter ausbauen müssten.
Auch das Thema Sauberkeit im Stadtgebiet spielte eine wichtige Rolle für die Fragenden. Vier Mitarbeiter der Stadt kümmern sich ausschließlich um die Beseitigung von Müll. Allein für die Entsorgung werden jährlich rund 100.000 Euro aufgewendet – Personalkosten nicht eingerechnet. Bürgermeister Dr. Steffen Kania wies in diesem Zusammenhang auf den Mängelmelder auf der Internetseite der Stadt hin, über den Verschmutzungen unkompliziert gemeldet werden können. Aus dem Gespräch entwickelte sich zudem die Idee, das Projekt „Saalfeld putzt sich“ künftig gemeinsam mit Schulen weiterzuentwickeln. Vor der nächsten Aktion im Frühjahr 2027 soll dazu der Kontakt aufgenommen werden.
Intensiv diskutiert wurde außerdem die Entwicklung der Innenstadt. Leerstände seien unter anderem auf den zunehmenden Onlinehandel sowie fehlende Unternehmensnachfolgen zurückzuführen. Ziel bleibe es, leerstehende Geschäfte möglichst wieder zu beleben. Gleichzeitig wurden Instrumente wie der Saalfeld-Gutschein und die SAWI-Card genannt. Der Wunsch der Schülerinnen und Schüler nach mehr Geschäften für Jugendmode wurde ebenfalls angesprochen. Bürgermeister Dr. Steffen Kania erläuterte, dass große Einzelhandelsketten ihre Standorte überwiegend in größeren Städten planen und dort andere wirtschaftliche Voraussetzungen vorfinden.
Ein weiteres Thema war die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund. Einrichtungen wie das Werkhaus in der Beulwitzer Straße leisten einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenleben. Ein Schüler hob dabei insbesondere das gute Miteinander im Werkhaus hervor.
Auch die Beteiligung junger Menschen an kommunalpolitischen Entscheidungen wurde angesprochen. Bürgermeister Dr. Steffen Kania verwies auf den zukünftig neu aufgestellten Kinder- und Jugendausschuss der Stadt. Das Heinrich-Böll-Gymnasium hat bereits Informationen zur Wahl im Januar 2027 erhalten“ erläuterte Sascha Roth.
Zur Sprache kam außerdem die Verbindung zwischen der Innenstadt und Gorndorf. Insbesondere die Entwicklung des Bahnhofsareals gestaltet sich aufgrund komplexer Eigentumsverhältnisse schwierig. Dennoch verfolgt die Stadt das Ziel, hier langfristig Verbesserungen zu erreichen.
Zum Abschluss nutzten die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, dem Bürgermeister auch persönliche Fragen zu stellen.
Auf die Frage, warum er Bürgermeister werden wollte, antwortete Dr. Steffen Kania: „Es ist schöner auf dem Spielfeld zu stehen, als daneben! Meckern kann man schnell, tun ist eine Herausforderung!“
Ob er seine Entscheidung jemals bereut habe? „Nie! Naja, fast nie!“, sagte er und lachte.
Auch nach dem Umgang mit Anfeindungen erkundigten sich die Schülerinnen und Schüler.
Ein „dickes Fell“ sei von Nöten, zugleich gehöre es zur Demokratie, unterschiedliche Meinungen zu akzeptieren und sachlich miteinander zu diskutieren. Mit Blick auf soziale Medien bedauerte er, dass die Debatten dort in den vergangenen Jahren häufig an Sachlichkeit verloren hätten. Beleidigungen müssten jedoch nicht hingenommen werden.
Auf die Frage nach seinem Arbeitsalltag erläuterte Dr. Steffen Kania die vielfältigen Aufgaben des Bürgermeisteramtes. Dazu gehören die Leitung der Stadtverwaltung mit rund 330 Beschäftigten, die Arbeit in Stadtrat und Ausschüssen, die Vertretung der Stadt in Zweckverbänden und weiteren Gremien sowie zahlreiche Termine mit Bürgerinnen und Bürgern, Vereinen und Institutionen.
Der Besuch machte deutlich, wie groß das Interesse junger Menschen an ihrer Heimatstadt und kommunalen Entscheidungen ist. Der direkte Austausch bot den Schülerinnen und Schülern einen praxisnahen Einblick in die Arbeit der Stadtverwaltung und zeigte zugleich, wie wichtig der Dialog zwischen Politik und Jugend für die zukünftige Entwicklung der Stadt ist.
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