Silberne Bürgermedaille für langjährigen Geschäftsführer des Jobcenters Saalfeld-Rudolstadt

In der Laudatio hieß es:
Kremlitschkas berufliche Laufbahn begann mit der Ausbildung zum Wirtschaftskaufmann in der Brauerei Jena. Im Anschluss daran studierte er in Dresden Betriebswirtschaft. Zurück in Jena arbeitete er in der Folge als Produktionstechnologe in der Brauerei, die sich zu dieser Zeit unter dem Dach des VEB Getränkekombinat Gera befand. Die Wendezeit brachte auch für Kremlitschka Veränderungen mit sich. Als ein Investor mit seinen Plänen für die Brauerei scheiterte, wechselte Uwe-Jens Kremlitschka im November 1990 zum Arbeitsamt Jena als Sachbearbeiter Reha/Schwerbehinderte. Es folgte eine Karriere vom Arbeitsberater über Abschnittsleiter Arbeitsvermittlung bis zur Geschäftsstellenleitung in Saalfeld. Am 1. Januar 2005 übernahm er schließlich die Geschäftsführung der „Arbeitsgemeinschaft zur Grundsicherung für Arbeitsuchende im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt“ – kurz ARGE. Diese Arbeitsgemeinschaften von Landkreisen und Agentur für Arbeit stellten das Herzstück der AGENDA 2010 dar. Die Sozialhilfe der Landratsämter und die Arbeitslosenhilfe der Agentur für Arbeit wurden zum Arbeitslosengeld II aka „Hartz-IV“ zusammengelegt.
Der Start war nicht einfach. Die Arbeitslosenquote lag bei etwa 18 Prozent und die Arge startete mit mehr als 7.000 Bedarfsgemeinschaften und 12.000 Leistungsempfängern. Die Hartz-Reformen waren umstritten und es gab erheblichen Widerstand und nicht unerhebliche Kritik – in Saalfeld u. a. vom Bündnis für soziale Gerechtigkeit und Demokratie. Die Folgejahre brachten keine Entspannung. Die Arbeitslosenquote und die Zahl der Bedarfsgemeinschaften blieben konstant und stiegen zeitweise weiter. Hinzukamen 1.600 Ein-Euro-Jobs, 420 ABM und 1121 Trainingsmaßnahmen. Gleichwohl gab Kremlitschka gleich zu Beginn seiner Geschäftsführertätigkeit ein Ziel aus, dessen Einreichung er mit Nachdruck verfolgte: Eine Arbeitslosenquote, niedriger als die des Landes Bremen. Bereits 2009 konnte er Vollzug melden. Heute stehen wir deutlich besser da als das kleine Bundesland. Im März 2025 lag die Quote im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt bei 6,3 Prozent, in Bremen bei 11,7 Prozent.
Ein nicht zu unterschätzender Tell der Arbeit des Jobcenters, wie die Arge seit 2011 heißt, war und ist es, teils schwierige Kundinnen und Kunden in Arbeit zu vermitteln. Dazu gehört nicht nur die Nutzung von Förder- und Qualifizierungsprogrammen, sondern auch die regelmäßige Ansprache. Dabei stellten sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jobcenters auch immer wieder besonderen Herausforderungen. Während des großen Flüchtlingszustroms von 2014 bis 2016 galt es für Kremlitschka und sein Team, für hunderte Menschen über Trainingsmaßnahmen die Integration in den Arbeitsmarkt zu organisieren. 2020 brachte die Corona-Krise auch für das Jobcenter völlig neue Aufgaben mit sich. Gleichzeitig trieb die Pandemie die Digitalisierung massiv voran und krempelte Prozesse nachhaltig um.
Die Digitalisierung erwies sich auch bei der Bewältigung der nächsten Riesenherausforderung als hilfreich: Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine entschied die Bundesregierung, dass Kriegsvertriebene aus der Ukraine ab Juni 2022 direkt ins ALG II wechseln und nicht wie andere Flüchtlinge dem Asylbewerberleistungsgesetz zugeordnet wurden. Kremlitschka und sein Team hatten plötzlich nach Jahren des Rückgangs an Bedarfsgemeinschaften und Leistungsempfängern einen neuen Kundenkreis. Im Juni 2022 gehörten plötzlich 565 Regelleistungsberechtigte dazu, ein Jahr später schon 1.286. Seit Januar 2023 ersetzt das Bürgergeld das bisherige ALG II. Wieder eine Neuerung für das Jobcenter, die für Außenstehende geräusch- und reibungslos umgesetzt wurde.
Das stringente und zielorientierte Umsetzen von Vorgaben sowie das Lösen von Problemen gehören zu den Markenzeichen von Uwe-Jens Kremlitschka – genauso wie seine humanistische Überzeugung. Kremlitschka hat das Fördern und Fordern immer mit einer zugewandten Haltung gelebt. Nicht das Sanktionieren stand im Vordergrund, sondern das Ermöglichen, d. h. qualifizieren, passgenaue Maßnahmen entwickeln und auch der zunehmend schwierigeren Klientel neue Angebote machen. Er hat mit seinem Einsatz dazu beigetragen, dass viele Menschen in unserer Region neue Perspektiven und Chancen erhielten. Die Stadt Saalfeld/Saale hatte zu ihm stets den „kurzen Draht“, sodass viele Maßnahmen das Stadtgebiet über Jahre bereicherten. Regelrecht ansteckend war sein Motto nach dem er stets selbst agierte: Machen statt Reden. Zu seinen Verdiensten zählt auch der fortwährende Einsatz für die Saalfelder Tafel.
Uwe-Jens Kremlitschka ist eine Persönlichkeit, die über viele Jahre hinweg Verantwortung übernommen und das Jobcenter mit großer Sachkenntnis und Menschlichkeit geführt hat. In der Gesamtschau hat er sich durch seine langjährige tadellose und erfolgreiche Tätigkeit in seinem Beruf Verdienste um die Stadt erworben. Er hat Saalfeld zu einem Ort mitentwickelt, an dem Integration, Teilhabe und soziale Verantwortung gelebt werden.
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