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AKTUELLES ∎ Nachrichten und Informationen ∎ News vom 16.02.2024

120 Jahre Stadtmuseum Saalfeld – ein Rückblick und Ausblick


Gleich zu Anfang des großen Saalfelder Jubiläumsjahres 2024 mit der Festdekade „1125 Jahre Saalfeld/Saale“ hatte auch das Stadtmuseum Saalfeld Grund zu feiern. Es besteht nämlich seit genau 120 Jahren. Zur Feierstunde gab es einen kleinen Rückblick in die Museumsgeschichte und einen Ausblick in die Zukunft. Präsentiert wurde zudem eine neue Veröffentlichung zur Saalfelder Stadtgeschichte mit dem Titel „Der Gemeinderat der Stadt Saalfeld/Saale 1919–1946“. Und auch ein besonderes Geburtstageschenk wurde übergeben: Ein rekonstruierter sächsischer Uniformrock von 1806, der zum Thema „Gefecht bei Saalfeld 1806“ gehört und künftig in der Dauerausstellung zu sehen sein wird.

 

Am Sonntag, dem 31. Januar 1904, wurde das Museum der Stadt Saalfeld im ehemaligen Franziskanerkloster feierlich eröffnet. Anders als in vielen Residenzstädten war es nicht aus einem fürstlichen Kuriositätenkabinett hervorgegangen, das ein Herrscher großzügig für seine Untertanen öffnete. Es entstand vielmehr mitten aus der Bürgerschaft heraus, getragen von der Sorge vieler Menschen, dass sich immer schneller verändernde Lebensverhältnisse zum Verlust der eigenen Identität und zu Orientierungslosigkeit führen könnten – eine Sorge, die bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren hat. Mit ihrem Museum schufen sich Stadt und Bevölkerung deshalb eine Stätte des Sammelns, Bewahrens und Erforschens von Sachzeugen zur eigenen Vergangenheit, gleichsam ein Zentrum der Identitätsstiftung.

Nach der Eröffnung des Museums 1904 setzte eine rege Sammeltätigkeit ein. Da nach damaliger Auffassung alle Sammlungsobjekte auch zur Ausstellung gelangen sollten, erwies sich der anfänglich genutzte Ostkreuzgang des Franziskanerklosters bald als zu klein. Die Museumsfläche wurde deshalb schrittweise erweitert und verfünffachte sich von rund 80 m² im Jahre 1904 auf fast 400 m² im Jahre 1920. Nachdem die Museumsleiter zuerst häufig gewechselt hatten, brachte 1920 die Übernahme der Geschäfte durch Valentin Hopf, einen der „Gründerväter“ des Hauses, für mehr als zwei Jahrzehnte Kontinuität. Diese Beständigkeit war für die Entwicklung des Museums sehr förderlich. Die räumliche Erweiterung schritt voran, Werbemaßnahmen führten zu einem Besucheranstieg, die Museumssammlung konnte weiter ausgebaut werden.

Ab 1933 stagnierte das Museum jedoch unter der NS-Diktatur. Die eigentliche Museumsarbeit stockte, stattdessen wurde die ehemalige Kirche des Franziskanerklosters nun zur Großbaustelle: Nach dem Wunsch der örtlichen NSDAP sollte hier ein „Feiersaal“ für Parteiveranstaltungen entstehen. Bei den 1940 beginnenden Arbeiten konnten einschneidende Zerstörungen historischer Bausubstanz nur mühsam verhindert werden. Aufgrund der sich verschärfenden Kriegslage zog sich die Baumaßnahme allerdings in die Länge; 1944 musste sie eingestellt werden. Der „Feiersaal“ war zu diesem Zeitpunkt erst halb vollendet. Bereits im Januar 1944 hatte das Museum seine Pforten schließen müssen.

Nach Kriegsende vergingen etliche Jahre, bevor das Museum schließlich am 8. Januar 1950 wieder eröffnet wurde. Die einzigen größeren Bauarbeiten während der gesamten DDR-Zeit waren die Fertigstellung des Festsaales in der ehemaligen Klosterkirche 1953, die Einrichtung einiger Räume im Ostflügel sowie der Ausbau des „Kleinen Saals“ für Wechselausstellungen. Ab 1969 machte sich dagegen immer stärker ein Zerfall der Bausubstanz des Franziskanerklosters bemerkbar. Auch Druck seitens der örtlichen SED-Parteileitung, die eine einseitige Hervorhebung der Saalfelder „Arbeiter- und Bauerngeschichte“ innerhalb der Museumsausstellung forderte, belastete die Arbeit des Hauses. Die hierfür erforderliche Umgestaltung der Dauerausstellung brachte aber auch eine Abkehr von der seit 1904 gültigen Vorstellung des Museums als „Heimatschatzkammer“ mit sich. Erstmalig wurde nun eine Ausstellungskonzeption auf wissenschaftlicher Grundlage erarbeitet, wurden Sammlungsobjekte nicht mehr wahllos, sondern inhaltlich und didaktisch aufeinander bezogen präsentiert.

Der Zusammenbruch der DDR im Herbst 1989 leitete einen historischen Wendepunkt in der Geschichte des Saalfelder Museums ein. Angesichts der gesellschaftlichen Veränderungen eröffnete sich nun die Chance, die dringend erforderliche Sanierung des gesamten Klosterkomplexes zu verwirklichen und sich bei der Neukonzeption der Dauerausstellung von den verordneten Zwängen des marxistischen Geschichtsbildes zu lösen. In diesem Sinne wurden die Generalsanierung des Klosters und die Neugestaltung des Museums 1990 vom Saalfelder Stadtrat beschlossen. Am 13. März 1999 – pünktlich zur 1100-Jahrfeier Saalfelds – erfolgte die feierliche Wiedereröffnung unter großer Beteiligung der Bürgerschaft. Erst seit diesem Zeitpunkt umfasst das Museum die gesamte, denkmalgeschützte Klosteranlage und hat damit jene Ausdehnung erreicht, die seine Gründer schon 1904 erhofft hatten.

Die mit der Sanierung des gesamten Klosterkomplexes vollbrachte Leistung ist einzigartig in der Geschichte der Stadt Saalfeld. Sie wurde verdientermaßen im Jahr 2000 mit der Verleihung des Denkmalschutzpreises des Freistaates Thüringen gewürdigt.

Mit der Wiedereröffnung fand der jahrelange „Ausnahmezustand“ ein Ende. Ab sofort konnte die reguläre Museumsarbeit wieder aufgenommen werden, unter nahezu optimalen Bedingungen. Zwar waren verschiedene Sanierungsabschnitte noch offen (so der Ausbau des gesamten Nordflügels der Klausurgebäude sowie der beiden sogenannten „Kapellen“), doch konnten diese Restleistungen nun gleichsam nebenher erfolgen und bedingten keine erneute Schließung des Hauses. Mit der Eröffnung der noch fehlenden Bereiche (Naturkundliche Sammlung „Emil Weiske“, Münzkabinett, Lapidarium) am Internationalen Museumstag 2003 war die Dauerausstellung dann fast komplett. Der letzte noch fehlende Abschnitt – die Geologie des Saalfelder Raumes – konnte im Juni 2009 fertiggestellt werden, zwei Jahre später ergänzt um die geologische „Sammlung Reuter“ aus Obernitz.

Das Museum, 2008 mit dem Qualitätssiegel des Museumsverbandes Thüringen e.V. ausgezeichnet, bewahrt die vielfältige Geschichte der Stadt Saalfeld; es ist das „Gedächtnis“ der Stadt und besitzt eine Ankerfunktion für die Menschen vor Ort. Zugleich hat es aufgrund seines herausragenden Bauwerks sowie seiner kontinuierlich gewachsenen Sammlungen mittlerweile überregionale Bedeutung gewonnen und sich als ein kultureller Mittelpunkt von hoher touristischer Attraktivität in Thüringen profiliert. In den letzten fünfundzwanzig Jahren ist es von mehr als einer halben Million Menschen besucht worden, haben knapp 130 Ausstellungen und mehrere Tausend Veranstaltungen dort stattgefunden. Damit hat sich das Stadtmuseum im besten Sinne zu einem „Öffentlichen Haus“ für die Bürgerinnen und Bürger und für die zahlreichen Gäste der Stadt Saalfeld/Saale entwickelt.

Die Pläne für die Zukunft sehen vor, das Profil des Hauses zu schärfen und das Franziskanerkloster stärker erlebbar zu machen. Hierzu sollen originale Klosterräume wieder hergestellt und original eingerichtet werden, wie die Klosterbibliothek und die Klosterküche. Mit Blick auf die Kreuzgänge, von denen drei erhalten sind und der vierte abgerissen wurde, gibt es Überlegungen, diesen vierten Kreuzgang, der für die Barrierefreiheit des Museum von Bedeutung ist, zu rekonstruieren. Zudem soll die Besucherführung optimiert und die Ausstellung zur Stadtgeschichte mit der Bibliothek und dem Festsaal verbunden werden, so dass ein kompletter Rundgang möglich wird. Die Ausstellung zur Saalfelder Stadtgeschichte selbst soll überarbeitet und aktualisiert werden, zusätzliche Themen wie der Bereich Industrie und Saalfeld im 20 Jahrhundert ergänzt werden.

Im Festjahr „1125 Jahre Stadt Saalfeld/Saale“ plant das Stadtmuseum Saalfeld mehrere Sonderausstellungen. Gezeigt werden u.a. Zinnfiguren aus der Partnerstadt Kulmbach sowie passend zum Jubiläum die Ausstellung „Saalfeld im Rausch - Feste und Feiern vom Mittelalter bis zur Gegenwart“. Zur Festdekade beteiligt sich das Stadtmuseum mit einem Museumsfest für Kinder und Familien am Kindertag.


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