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AKTUELLES ∎ Nachrichten und Informationen ∎ News vom 10.07.2026

Gegen das Vergessen: Patinnen und Paten für neue Stolpersteine in Saalfeld/Saale gesucht


Die Stadt Saalfeld/Saale setzt ihr Engagement für eine lebendige Erinnerungskultur fort und sucht Patinnen und Paten für zehn neue Stolpersteine. Mit einer Patenschaft können Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen, Vereine oder Institutionen dazu beitragen, die Erinnerung an jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger wachzuhalten und ein sichtbares Zeichen gegen das Vergessen zu setzen.

 

Neun Jahrhunderte jüdisches Leben prägten die Geschichte Saalfelds. Die Schicksale der Menschen, die verfolgt, deportiert, ermordet oder zur Flucht gezwungen wurden, sind untrennbarer Bestandteil der Stadtgeschichte. „Ihre Namen und Lebensgeschichten im öffentlichen Raum sichtbar zu halten, ist Aufgabe, Mahnung und Verantwortung zugleich – insbesondere in einer Zeit, in der Antisemitismus und Ausgrenzung wieder zunehmen“, erläutert Christopher Mielke vom Büro des Bürgermeisters. Seit 2008 beteiligt sich die Stadt Saalfeld/Saale am europaweiten Kunstprojekt „Stolpersteine!“ des Künstlers Gunter Demnig. Im September 2026 wird dieses Engagement fortgesetzt: Vor den ehemaligen Wohnstätten jüdischer Bürgerinnen und Bürger werden zehn weitere Stolpersteine verlegt.

Die Erinnerungsmale werden an den letzten selbstgewählten Wohnadressen der Opfer verlegt. Wer über einen Stolperstein „stolpert“, hält inne, muss sich verbeugen, liest den eingravierten Namen und begegnet damit einem persönlichen Schicksal. Die Steine holen die Erinnerung in den Alltag zurück und machen Geschichte dort sichtbar, wo sie Wurzeln hatte.

Dass die Auseinandersetzung mit der jüdischen Geschichte Saalfelds auch junge Menschen bewegt, zeigte u. a. die Seminarfacharbeit von Leonie Hänsel, Hannah Heinert, Bruno Pelz und Milli Wagner vom Heinrich-Böll-Gymnasium aus dem Jahr 2021. Daraus entstand der öffentliche QR-Code-Rundgang „Jüdisches Erbe in Saalfeld“, der historische Orte mit persönlichen Lebensgeschichten verbindet und die Erinnerung auf moderne Weise zugänglich macht.

Für die Verlegung der zehn neuen Stolpersteine werden nun Patinnen und Paten gesucht. Mit einer Spende von rund 120 Euro können die Materialkosten für einen Stolperstein übernommen werden. Jede Patenschaft leistet einen konkreten Beitrag dazu, das Andenken an die Opfer des Nationalsozialismus zu bewahren und ihre Namen dauerhaft im Stadtbild zu verankern. Bereits im Nachgang der Erstinformation anlässlich des Gedenktags der Opfer des Nationalsozialismus bekundeten einige Saalfelder ihr Interesse an einer Patenschaft. Dieses Engagement greift die Verwaltung nun auf.

 

Ab September 2026 erinnern neue Stolpersteine an folgende Menschen:

Am Hohen Ufer 3:
Dr. Eugen Gütermann (Jahrgang 1884), deportiert 1944 nach Theresienstadt, 1944 in Auschwitz ermordet.

Fleischgasse 20:
Oskar Grossmann (Jahrgang 1880), deportiert am 20. September 1942 nach Theresienstadt, dort am 3. Februar 1944 ermordet.

Obere Straße 16:
Gustav Steinberg (Jahrgang 1861), Flucht 1939 in die USA.

Zetkinstraße 1:
Elias Hirschowitz (Jahrgang 1885), am 10. November 1938 verhaftet und im KZ Buchenwald interniert, später nach Bełżyce deportiert und ermordet;
Irma Hirschowitz, geb. Katz (Jahrgang 1896), deportiert am 10. Mai 1942 nach Bełżyce und ermordet;
Günther Hirschowitz (Jahrgang 1925), deportiert am 10. Mai 1942 nach Bełżyce und ermordet.

Gerbergasse 14:
Hans Marcus (Jahrgang 1887), deportiert am 10. Mai 1942 nach Bełżyce und ermordet.

Köditzgasse 21:
Louis Leopold Sachs (Jahrgang 1883), Flucht 1939 in das Vereinigte Königreich und später in die USA.

Niedere Köditzgasse 4:
Simon Sigmund Mittel (Jahrgang 1864), am 10. November 1938 im KZ Buchenwald inhaftiert, dort am 21. November 1938 ermordet.

Untere Dorfstraße 32:
Elfriede Siegmund (Jahrgang 1881), am 12. Januar 1944 nach Theresienstadt deportiert und überlebt.

 

Die Stadt Saalfeld/Saale lädt alle Interessierten ein, eine Patenschaft für einen Stolperstein zu übernehmen und damit ein sichtbares Zeichen für Erinnerung, Menschlichkeit und gegen das Vergessen zu setzen. Anfragen für eine Patenschaft sind bis 9. August 2026 möglich.

Kontakt
Christopher Mielke
Telefon: 03671 598-203
E-Mail: buerobgm@stadt-saalfeld.de

Jeder Stolperstein erinnert daran, dass hinter den historischen Ereignissen Menschen mit Familien, Hoffnungen und Lebensgeschichten standen – Menschen, die Teil der Stadtgesellschaft waren und deren Andenken einen festen Platz im öffentlichen Gedächtnis verdient.

 


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Ansprechpartner

Christopher Mielke

  03671 598-203     Email schreiben...
Daniela Jahn
03671 598-205     Email schreiben...