Jüttner-Grab wird Ehrengrabstätte
Ehrengrabstätten sind erhaltenswerte Grabstätten und/oder Ausdruck der Ehrung Verstorbener durch die Stadt, die sich durch ihr Wirken und ihre Schaffenskraft zu Lebzeiten für die Stadt oder über deren Grenzen hinaus in der Öffentlichkeit verdient gemacht haben. Die Zuerkennung als Ehrengrabstätte dient dazu, dass das Andenken an die Persönlichkeit in der allgemeinen Öffentlichkeit fortlebt. Erhaltenswerte Grabstätten sind kulturell oder historisch wertvolle und damit schutzwürdige Grabstätten.
Karl und Renate Jüttner waren prägende Künstlerpersönlichkeiten der Region. Sie waren bedeutende Keramiker und bildende Künstler und ihre Namen sind bis heute eng mit der Stadt verbunden. Jüttners haben sich durch ihr künstlerisches Wirken und ihre Schaffenskraft zu Lebzeiten für die Stadt und über deren Grenzen hinaus in der Öffentlichkeit verdient gemacht. Zudem ist die Grabstätte eine kulturell/künstlerisch – der Entwurf stammte von Karl Jüttner – und historisch wertvolle Grabstätte, die schutzwürdig ist.
Karl Jüttner (1921 – 2006) wurde in Saalfeld/Saale geboren und starb ebenda. Er gilt als Saalfelds bedeutendster Künstler und sein mehr als 50 Jahre umspannendes Werk erregte internationale Aufmerksamkeit. Jüttner lernte in der Druckerei Kaufmann/Schlutins und arbeitete in verschiedenen kaufmännischen Betrieben. 1941 begann er an der Kunstschule in Innsbruck ein Studium der Malerei, das ein Jahr später durch seine Einberufung jäh unterbrochen wurde. Sein Einsatz in der Luftwaffe führte ihn nach Russland, wo er 1944 in Gefangenschaft geriet. 1945 konnte er aufgrund von Krankheit nach Hause und begann ein Jahr später, als Kunstmaler zu arbeiten. Sein Genre war die realistische Malerei, besonders seine Porträts sorgten immer wieder für Aufmerksamkeit bei den Kritikern. Doch als Künstler fühlte sich Karl Jüttner in seiner Kreativität immer mehr eingeschränkt. Fast schon desillusioniert gab er die Malerei auf und verschrieb sich künstlerisch-handwerklichen Techniken, wie Batik und Keramik. In der Werkstatt Körting entwarf Jüttner Gebrauchskeramik und bemalte sie. Mitte der 1960er Jahre begann er, Plastiken zu kreieren und figürlich umzusetzen. Seine ausdrucksstarken Arbeiten hielten schnell Einzug in die künstlerische Szene. Karl Jüttner wurde zu einem viel gefragten Künstler, der Ausstellungen weltweit gestaltete. In Frankreich, Italien, Russland und Rumänien erhielten seine Werke positive Kritiken und so schrieb er in diesen Jahren ein Stück Kunstgeschichte im plastischen Genre mit. Er erhielt den Kunstpreis des Bezirkes Gera sowie 1978 den Faenza-Prize (einer der wichtigsten Wettbewerbe der zeitgenössischen Keramik) und wurde 1983 zum Mitglied der Internationalen Keramik-Akademie Genf ernannt. 1996 wurde Karl Jüttner, als eine der ersten Saalfelder Persönlichkeiten, mit der Saalfelder Stadtmedaille geehrt. In seiner Frau Renate fand er in all den Jahrzehnten viel mehr als nur einen starken Rückenhalt: Die beiden verband eine Seelenverwandtschaft in schöngeistigen Sphären.
Renate Jüttner (1935 – 2021) wurde ebenso in Saalfeld/Saale geboren und starb ebenda. Im Anschluss an ihr Musikstudium an der Franz-Liszt-Hochschule Weimar (Hauptfach Klavier) ging sie der Konzert- und Lehrtätigkeit nach. Später beschäftigte sie sich zunehmend intensiv mit Malerei, Grafik und Lyrik. Sie war als Konzertpianistin tätig und nahm aktiv an der künstlerischen Entwicklung ihres Mannes, des international anerkannten Keramikers Karl Jüttner, Anteil. Seit 1978 war sie Mitglied im Verband Bildender Künstler. Ihre ersten Veröffentlichungen datieren in den Jahren 1979 (Malerei) und 1995 (Lyrik). Kunst begleitete Jüttner ihr ganzes Leben hindurch. Beide Eltern waren künstlerisch interessiert und besonders der heute klassisch genannten Moderne gegenüber aufgeschlossen, wobei sich der Vater in Sachen Kunst und die Mutter im Lyrischen besonders wiederfanden. Beste Voraussetzungen für Renate Jüttner, die das „Zeichnen“ und das „Dichten“ in ihrer Person schließlich verband. Personalausstellungen fanden u. a. in Annaberg-Buchholz, Bad Elster, Bad Köstritz, Bayreuth, Berlin, Böblingen, Büdingen, Erfurt, Genf, Gera, Heiligenstadt, Hermsdorf, Hildburghausen, Hohenfelden, Jena, Luckenwalde, Meerane, Meiningen, Neuensalz, Osnabrück, Plauen, Potsdam, Ranis, Rudolstadt, Saalfeld/Saale, Singen a. H., Sondershausen, Stuttgart, Unterwellenborn, Weimar, Weida, Wien, Wiesbaden und Zeulenroda statt. Ihre Werke bereichern öffentlichen Sammlungen wie Kunstsammlung der Stadt Saalfeld/Saale; Romantikerhaus Jena; Literaturmuseum Theodor Storm, Heiligenstadt; Stadtmuseum Hildburghausen; Museum Würth, Künzelsau; Galerie Kara, Genf; National Centre of Fine Arts, Kairo. Renate Jüttner wurden für ihr Wirken die Saalfelder Stadtmedaille (2005) sowie die Silberne Bürgermedaille (2015) verliehen.
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