„Der Mensch“ – neue Skulptur am Saaleufer
Seit nunmehr drei Wochen zieht ein neues Objekt am Ufer der Saale, in Höhe des Stadions, die Blicke von Spaziergängern auf sich. Eine metallene Säule mit korrodierter Oberfläche schaut regelrecht über die Saale und das dort befindliche Wehr. „Es handelt sich um „Der Mensch“ von Karien Vervoort.
Jedoch steht „Der Mensch“ von Karien Vervoort nicht einfach irgendwo im öffentlichen Raum, sondern in einer inzwischen mehr als 30 Jahre alten Tradition von Kunst im Landschaftsraum der Saale in Saalfeld/Saale.
1994 begann diese Geschichte mit dem internationalen Bildhauersymposium „Peace Stones of Europe“ und Kristian Körting. Der Künstler lebte in Remschütz. Vor über 30 Jahren entstanden durch und mit ihm dort zwölf Sandsteinskulpturen von Bildhauern aus drei Ländern. Einer von ihnen ist Gabriel Wiese, der gestern vor Ort war. Sein Werk „Raum 50000“ ist dort zu sehen; aktuell wird außerdem seine Ausstellung „Korkart“ im Stadtmuseum Saalfeld gezeigt.
2021/22 entstand im Dürerpark in Saalfeld/Saale der „Saalfelder Fischregen“ von Sylvia Bohlen. Bohlen schreibt selbst, dass die Arbeit in Anlehnung an die Saalfelder Sage vom Fischregen geschaffen wurde.
Und nun wird mit Vervoorts „Der Mensch“ die Idee von Kunst entlang der Saale weitergeführt.
Karien Vervoort wurde 1961 in den Niederlanden geboren, studierte Bildhauerei an der Gerrit Rietveld Academie in Amsterdam und lebt und arbeitet seit 1996 in Thüringen. Ihre Modelle beschreibt sie als „poetische Denkmodelle“: Sie sind geometrisch und konstruktiv, aber zugleich offen für Assoziationen. Der Betrachter soll die Arbeiten nicht nur von einem festen Standpunkt aus betrachten, sondern sie umgehen, Perspektiven wechseln und die räumlichen Beziehungen entdecken.
Aufgrund des Wetters – es regnete zu Beginn der offiziellen Einweihung am 16. September 2026 in Strömen – zeigte die Künstlerin Fotos der drei Dimensionen (Seiten) ihrer Skulptur „Der Mensch“ im überdachten Bereich des Stadions.
Die Künstlerin hat die weltliche Dimension, die durch unsere Sinne wahrgenommen wird, unter anderem durch die Abbildung eines Auges und eines Ohres dargestellt. Auch ein Fußabdruck ist zu sehen, denn „wir können uns mit unseren Füßen bewegen“, erläuterte die Künstlerin. Unsere Erlebnisse und Erfahrungen, die im Unterbewusstsein gespeichert sind, gibt Vervoort in einer weiteren, gitterartig erscheinenden Dimension zur Schau. Die dritte, spirituelle Dimension, die unsere Verbindung zu Gott, dem Kosmos oder der Natur über ihre Skulptur widerspiegelt, gibt die Möglichkeit, auf sich selbst zu schauen.
Damit Besucher nachvollziehen können, was die Künstlerin mit ihrer Skulptur ausdrücken möchte, ist an ihr ein QR-Code angebracht, der Informationen zur Skulptur beinhaltet, aber zugleich ausreichend Platz für eigene Deutungen lässt.
Wie wichtig es ist, am Ball zu bleiben und sich „trotz einiger Rückschläge vom Vorhaben, Kunst am Saaleufer aufzustellen, nicht abbringen“ zu lassen, betonte Gerhard Pautzke vom Förderverein Kunst in Kamsdorf e. V. „Ohne Engagement von Menschen wie Herrn Pautzke würde es das hier nicht geben“, verdeutlichte die Künstlerin.
Bürgermeister Dr. Steffen Kania brachte es auf den Punkt: „Saalfeld ist eine Kunststadt mit vielen regionalen Künstlern. So liegt es auf der Hand, dass wir als Stadt Kunst unterstützen. In Zukunft soll ein Kunstweg entstehen.“ Damit lässt die neue Skulptur zugleich auf ein weiteres kulturelles Entdeckerangebot in Saalfeld/Saale hoffen.
Karien Vervoort, Gerhard Pautzke und Dr. Kania bedankten sich bei Sponsoren wie der Stiftung der Sparkasse Saalfeld-Rudolstadt und dem Stahlwerk Thüringen sowie bei allen beteiligten Helfern und Unterstützern, darunter auch dem Bauhof der Stadt Saalfeld/Saale.
Sie laden dazu ein, am Wehr zu verweilen, die Skulptur auf sich wirken zu lassen und sich auf ein eigenes Gedankenspiel einzulassen.
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