Wandern, entdecken und genießen: Ein Erfahrungsbericht vom ersten Saalfelder Wandertag
Ein Wandertag rund um heimisches Gebräu – braucht es das in Saalfeld/Saale wirklich? Diese Frage dürften sich im Vorfeld sicher einige gestellt haben. Doch der erste Saalfelder Wandertag am 8. August 2026 zeigte eindrucksvoll, dass das Konzept aufging: Acht Stationen, Saalfelder Vereine, zahlreiche Aktionen, kulinarische Angebote und am Ende über 1.500 abgegebene Stempelkarten. Ein Wandertag, dessen Ausgang im Vorfeld niemand kannte und der schließlich für Begeisterung bei Groß und Klein sorgte.
„Braucht es wirklich einen Wandertag in Saalfeld/Saale, bei dem es um heimisches Gebräu geht, wo es schon das Bierfest und andere kehlenbenetzende Veranstaltungen gibt?“, fragte sich sicher die oder der ein oder andere.
Auch beim Wanderteam „Familienfest“ war die Spannung groß, wie das Konzept funktionieren würde. Das Gerücht um den Saalfelder Wandertag war bereits im Mai dieses Jahres in aller Munde, das Konzept wurde dann zur Pressekonferenz am 3. Juni vorgestellt. Es galt, acht Stationen zu bewandern, wobei die Reihenfolge frei wählbar war. Lediglich mit „Station 8 – Bürgerliches Brauhaus Saalfeld“ sollte der Saalfelder Wandertag enden.
Die ersten sieben Stationen wurden von Saalfelder Vereinen betreut, welche auch die Bespaßung und Bewirtung in die eigenen Hände nahmen. Das Saalfelder Brauhaus stellte Bierwagen, Infrastruktur und das flüssige Gold zum Einkaufspreis zur Verfügung. Für die Vereine war der Ansporn damit noch größer, sich den noch unbekannten Anforderungen zu stellen. Denn an manchen Orten gab es keinen Strom, geschweige denn Wasser oder Toiletten. Organisatorische Feinheiten also, die so manchen Kopf bereits acht Wochen vor der Veranstaltung zum Schwitzen brachten.
Auch bei den Wanderinteressenten tauchten nach Veröffentlichung des Konzeptes Fragen auf. „Bis wann müssen die Stempelkarten abgegeben werden? Gibt es wirklich keine vorgegebene Strecke? Wenn es 12 Kilometer sind, muss ja eine Strecke bekannt sein.“ Dies waren nur einige Beispielfragen, die an den Telefonen der Brauerei wie auch der Stadt Saalfeld/Saale gestellt wurden.
Die Wochen vergingen wie im Flug. Die ein oder andere Idee und Aktion, wie neue AdventureLabs (Geocaching), wurde entwickelt. Einzelpersonen, Gruppen, Vereine und Unternehmen taten sich zusammen und entwickelten einen Tag, dessen Ausgang keiner kannte.
Kaiserwetter zum Start
Die Zeichen standen gut – Petrus war den Saalfeldern hold. Am Samstag, dem 8. August 2026, herrschte Kaiserwetter. Vielleicht sogar ein bisschen zu viel des Guten. „Fast schon zu warm …“, raunte die ein oder andere Stimme, „… ob da viele Menschen kommen?“
Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Von nah zu Fuß oder fern per Bahn – schon kurz vor offiziellen Start waren die Massen unterwegs und voller Euphorie. Schließlich galt es, Punkt 10 Uhr an der auserwählten Station zu sein. Manch große Augen waren bei den Vereinen zu sehen, die teilweise bereits Tage zuvor ihr Equipment aufgebaut hatten, jedoch aktuell an Ort und Stelle noch nicht mit allen Feinheiten fertig waren – und diese erst im Laufe des Vormittags fertigbekommen sollten.
Schlag auf Schlag gingen Brause, Bier, Bratwürste, Becher und Stempelkarten etc. über die Tresen. Kinder tobten, Erwachsene lachten und sangen, und überall machten sich Wanderfreunde auf den Weg zu den Stationen ihrer selbst festgelegten Wanderroute.
Station 1 – Hoher Schwarm
Der Hohe Schwarm war die erste Station des Wanderteams „Familienfest“. Fast die ersten vor Ort, kam das Team in den Genuss einer Führung im kleinen Kreis im Keller der Burgruine. Gerade für die Kinder war es spannend, einen solchen Ort einmal aus der Nähe zu erleben.
Die Stadtgarde und Bettelmönche des Historische Vereinigung e.V. sorgten für das leibliche Wohl der kleinen und großen Gäste. Kurz wurde überlegt, ob eine Hähnchenpfanne morgens um 10 Uhr tatsächlich das richtige Frühstück sein könnte. Letztlich ging dann aber doch das erste Eis des Tages über den Tresen.
Station 2 – Turmlaube
Wohl genährt hüpften die Jüngsten entlang des Saaleradweges zum Aktivpark beim Stadion und weiter bis hin zur Station 2 – Turmlaube oberhalb der Südstadtbrücke.
Mittlerweile war das Konzept verinnerlicht: Als Erstes galt es, den zweiten Stempel des Tages beim SV Beulwitz 1991 e.V., dem Saalfelder Schützenverein, zu holen.
Etwas unscheinbar und erst auf den zweiten Blick entdeckt: die ausgestellten Waffen, welche die Kinder unter Beisein der Schützen sogar hochheben durften. Große Augen, als bewusst wurde, wie schwer so ein Gewehr ist. Noch größere Augen gab es, als die Kinder erspähten, dass sie mit Laserpistole und -gewehr schießen durften. Dass die Augen dann fast herausfielen, als das siebenjährige Teammitglied alle fünf Treffer hintereinander absolvierte, sei hier nur am Rande erwähnt.
Station 3 – Fuchsturm
Motiviert ging es weiter durch den Bergfriedpark. Für die Fußballer im Team war bereits im Vorhinein klar, dass der Fußballclub Saalfeld e.V. bei ihnen punkten würde.
Mit Fußballdart und Torwandschießen punktete Station 3 – Fuchsturm nicht nur bei den Jüngsten. Auch die Erwachsenen kamen auf ihre Kosten, denn die abwechslungsreiche Bewirtung mit Brezeln, Muffins und belegten Brötchen war ebenfalls ein Gaumenschmaus. So richtig in der sportlichen Aktivität angekommen, stand anschließend der nächste Marsch an.
Station 4 – Spielplatz am Steiger
Station 4 – Spielplatz am Steiger, betreut durch den 1. SSV Saalfeld 92 e.V., war das nächste Ziel. Obwohl es sich bei dieser Station um die am weitesten entfernte handelte, waren viele Wanderfreunde jeden Alters unterwegs. Gute Stimmung, Spielplatz in Sicht – und weg waren die Kinder. Toben und Turnen standen nun auf dem Programm, während sich der Rest der Gruppe ausruhte, stärkte und den Plan für das weitere Vorankommen schmiedete.
Mittlerweile war es 13:30 Uhr. Dann die Erkenntnis: Die Station Bergfried-Gärtnerhaus war vergessen worden. Abkürzungen zu nehmen war eben wichtiger gewesen, als sich richtig zu informieren.
Station 5 – Gärtnerhaus Bergfried
Was zunächst wie ein Missgeschick aussah, stellte sich letztlich als Segen heraus. Der Abstieg war leicht und Station 5 – Gärtnerhaus Bergfried konnte ohne weitere Vorkommnisse erreicht werden. Musik der TonArt-Musikschule, Eis und Schokolade versüßten die wunderschöne Kulisse rund um das Gärtnerhaus, welches von den Freunden des Bergfrieds e.V. betreut wurde. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit konnte die Ausstellung im Gärtnerhaus nicht bewundert werden. Doch dabei handelt es sich um eine Dauerausstellung, die sicher noch vom Team besucht wird.
Die Zeit saß inzwischen im Nacken und die Kinder wurden langsam müde. Das Team traf nun eine Entscheidung, die wahrlich nicht rühmlich war: Es kehrte zum Start zurück, sattelte die vierrädrigen Pferde und fuhr in die Stadt. Denn Ziel war es nicht nur, die für das Gewinnspiel benötigten sieben Stempel zu ergattern, sondern eben alle acht Stationen zu besuchen.
Station 6 – Blankenburger Tor
Auf geteerten Wegen ging es zu Station 6 – Blankenburger Tor im Stadtzentrum.Der Werbering Saalfeld e.V. und Motorsportclub Saalfeld e.V. luden zu Bull Riding, musikalischen Darbietungen sowie Vorführungen von Motorrädern und Simsons ein. Das Blankenburger Tor konnte außerdem kostenlos besucht werden, was jedoch aus zeitlichen Gründen nicht möglich war. Aber auch hier handelt es sich um eine Dauerausstellung, die das Team definitiv noch besuchen wird.
Station 7 – Anglerheim Am Weidig
Völlig gesättigt von Kaffee und Kuchen reiste die Gruppe weiter zu Station 7 – Anglerheim Am Weidig, wo Erinnerungen an Familienfeiern wach wurden.
Die Saale in der Nähe, Angel-Equipment neben der Stempelstation – schnell war klar, dass das Angeln ausprobiert werden sollte. Die Mitglieder des Angelverein Saalfeld/Saale e.V. und des Casting Club Saalfeld e.V. nahmen die Kinder wahrlich an die Hand und sorgten dafür, dass diese zum ersten Mal eine richtige Angel in der Hand hielten und die vermutlich ersten Schritte zum Turnierwerfen gingen.
18.000 Schritte und ein müdes Team
Nachdem die letzte Vereinsstation voller Euphorie und Erlebnissen absolviert und bereits 18.000 Schritte bei den Erwachsenen gegangen worden waren, entschied sich das Team, den gemeinsamen Wandertag für einen Teil der Gruppe zu beenden.
Die Kids waren glücklich, aber inzwischen auch müde. Sie freuten sich nun sogar auf die 30- bis 45-minütige Heimfahrt, was etwas heißen will. Ein kleiner Teil des Teams machte sich jedoch noch auf den Weg zur letzten Station.
Station 8 – Bürgerliches Brauhaus Saalfeld
Am Bürgerlichen Brauhaus Saalfeld galt es, den letzten Stempel abzuholen und am Gewinnspiel teilzunehmen.
Völlig beeindruckt von der Besuchermasse am Eingang galt es zunächst, ein schattiges Plätzchen zu finden und das Geschehen zu beobachten. Alsbald startete das Programm mit einem Auftritt der Kientzer Tanzgirls, umrahmt von Livemusik mit „Rennsteigfeuer“. Auch für das leibliche Wohl war hier bestens gesorgt – mit heimischen Bier- und Grillspezialitäten.
Überall wurde gelacht, gesungen und der Saalfelder Wandertag gelobt. Der Abschluss mit Verlosung ließ allerdings noch etwas auf sich warten. Doch selbst darüber gab es kein Raunen, sondern Freude, dass der Tag so gut ankam. Auch wenn die Wartenden in der Gewinnspielschlange durchaus auf eine Geduldsprobe gestellt wurden.
Die Verlosung
Es war eine Freude zu sehen, dass der Tag so gut angenommen wurde.
Das sah auch Bürgermeister Dr. Steffen Kania so. Nach Jürgen Kachold, Geschäftsführer des Bürgerlichen Brauhauses Saalfeld, begrüßte er die Gäste mit den Worten: „Ich bin absolut begeistert von den Massen, die den Wandertag heute begleitet haben. Es war ein wirklich nicht endend wollender Strom!“
Sichtlich begeistert sprach er allen Akteuren, vor allem dem Brauhaus als Hauptorganisator und den Vereinen, seinen Dank aus und läutete die Verlosung ein. Glücksfee durfte die Bergwiesenkönigin Celine I. sein. Sie zog die Gewinnerkarten aus einer silbernen Tonne, gefüllt mit über 1.500 Stempelkarten. Jürgen Kachold gab Informationen zu den Gewinnen und Sponsoren, und Dr. Steffen Kania las die gezogenen Nummern vor.
Jede Ziehung war spannend und wurde von Applaus begleitet – egal, ob es um einen Liegestuhl der Brauerei oder um den Hauptpreis, eine 5-Sterne-Wanderreise vom Reisebüro Lautenschläger, ging.
Ein langer, aber sehr gelungener Tag
Nach der Verlosung galt es, den Abend bei Musik, Tanz und guter Stimmung langsam ausklingen zu lassen. Überall waren strahlende Gesichter zu sehen – auch wenn sich so mancher nach diesem langen und ereignisreichen Tag bereits einen ruhigen Sonntag herbeisehnte.
Beim Wanderteam „Familienfest“ waren die Strapazen des Tages inzwischen deutlich zu spüren. Acht Stationen lagen hinter den Teilnehmern, dazu zahlreiche Erlebnisse, viele neue Eindrücke, schlussendlich 25.000 Schritte und jede Menge Spaß. Von der Führung im Keller des Hohen Schwarms über Schützen- und Fußballaktionen bis hin zum Angeln und dem großen Abschluss am Bürgerlichen Brauhaus war für jeden etwas dabei.
Am Ende blieb vor allem die Erkenntnis, dass der Saalfelder Wandertag mehr war als nur eine Wanderung von Station zu Station. Es war ein Tag voller Begegnungen, gemeinsamer Erlebnisse und vieler kleiner Geschichten, die noch lange in Erinnerung bleiben dürften.
Ein Tag, den es zu wiederholen gilt:
14. August 2027 – der zweite Saalfelder Wandertag
zurück zur Liste
