Bauhof mit personellem Gütesiegel
Der Meisterbrief gilt als DAS Qualitätsmerkmal des Handwerks und doch lassen sich in Thüringen immer weniger Gesellen zum Meister weiterbilden.
Zu denen, die die Meisterausbildung im letzten Jahr erfolgreich abschlossen, gehört Martin Gläser (32), Mitarbeiter im städtischen Bauhof. Am 21. Februar erhielt er in Erfurt seinen Meisterbrief und schloss als bester Jungmeister 2014 ab. „Mein Ziel war das nicht, als ich mich entschloss, die Fortbildung zu beginnen. Damals stand für mich die persönliche Entwicklung als Mensch und im Beruf im Fokus. Aber ich bin stolz auf die Anerkennung und freue mich, das Erlernte jetzt anzuwenden. Der Meister bietet mir jetzt obendrein flexiblere Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt“, beschreibt der gebürtige Creunitzer (Ortsteil von Gräfenthal).
Martin Gläser erlernte im städtischen Bauhof von 1998 bis 2001 den Beruf des Straßenwärters. Seit 2001 arbeitet er im Meisterbereich Straßenbau und leitet diesen seit 1. Januar 2015. Vor zwei Jahren legte er die Prüfung zum Technischen Fachwirt ab, bevor er im April 2014 eigenfinanziert die Meisterprüfung im Straßenbauer-Handwerk mit dem Prädikat „sehr gut“ wortwörtlich „meisterte“.
Was bleibt ihm in besonderer Erinnerung? „Das halbe Jahr vor den Prüfungen existierte praktisch kein Privatleben mehr“, erläutert Gläser, der seine Freizeit gerne mit Reisen, Tauchen und Mountainbiken verbringt. „Unüberboten war die Vollzeitprüfung im ersten Teil. Aufgabe war die DIN-gerechte Umgestaltung eines Schulhofes für seh- und gehbehinderte Schüler. Nicht nur das Spannungsverhältnis zwischen beiden Handicap-Gruppen – z. B. benötigen Sehbehinderte hohe Borden und Gehbehinderte niedrige – sondern auch der schlechte, vorgegebene Bodenfläche ließen mich eine Woche ohne eine einzige Korrekturlesung durchschreiben. Ein Kampf. Aber mit einem guten Ende.“
Auf die Frage, wo seine berufliche Reise hingehen wird, meint der Jungmeister: „Was die Zukunft bringt, wird sich zeigen. Man muss nicht alles im Detail planen. Fest steht nur, der Meister war lediglich ein weiterer Schritt in meiner beruflichen Laufbahn.“
In Thüringen erwarben 2014 erneut weniger Handwerker einen Meistertitel. Die Zahl sank nach Angaben der drei Handwerkskammern auf 471 (2013: 495, 2012: 526). Die meisten neuen Meister kann dabei die Handwerkskammer Erfurt mit 257 vorweisen, gefolgt von Ostthüringen (123) und Südthüringen (91).
Mit 148 000 Beschäftigten und 11 Milliarden Euro Umsatz sei das Handwerk „das Rückgrat unserer einheimischen Wirtschaft“, lobte Ministerpräsident Bodo Ramelow. Der Meister sei ein einmaliges Qualitätssiegel, das nicht aufgeweicht werden dürfe, betonte Ramelow zur Meisterfeier der Handwerkskammer Erfurt.
zurück zur Liste
