Mustergültig in der Integration
Aus den Händen von Thüringens Sozialministerin Heike Werner erhielt die Saalfelder Stadtverwaltung am 23. November in Erfurt den „Landespreis für vorbildliches Engagement für Menschen mit Behinderung“ in der Kategorie „Öffentliche Arbeitgeber“ und damit eine Auszeichnung für die Einführung eines „herausragenden Betrieblichen Eingliederungsmanagements“ (BEM).
Kati Chalupka, Saalfelds Personalreferentin und BEM-Verantwortliche, nahm den Preis „stolz und glücklich“ entgegen und sagte: „Es erfüllt uns jedes Mal aufs neue mit großer Freude, wenn es uns gelungen ist, einen Mitarbeiter wieder zu integrieren, seine Entwicklungsschritte zu begleiten und ihm somit ein neues, positives Lebensgefühl in seinem Arbeitsumfeld zu geben.“
Chalupka verwies auf die aktuellen Diskussionen zu Fragen der Personalwirtschaft, die zu sehr vom demographischen Wandel dominiert werden: Überalterung der Belegschaft, sinkendes Erwerbspersonenpotential und Fachkräftemangel. „Weit weniger im Fokus steht das Problem der Integration und Wiedereingliederung von Menschen mit Behinderung in das Berufsleben. Zu Unrecht. Denn wie oft stehen Mitarbeiter vor dem Problem, von heute auf morgen auf Grund einer schweren Erkrankung ihrer gewohnten beruflichen Tätigkeit nicht mehr nachgehen zu können“, so die Personalreferentin.
Zuvor zeigte Mathias Funk, Referent im Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie, die Gründe für die Auszeichnung auf. Danach verfügt Saalfeld seit 2007 über eine Dienstvereinbarung zum BEM und seit 2015 über eine Integrationsvereinbarung. Mit sieben Prozent erfüllt die Verwaltung die Pflichtquote (5 Prozent) zur Beschäftigung Schwerbehinderter deutlich über. „Es werden einvernehmliche Lösungen in der Arbeitsplatzanpassung oder auch bei Umsetzungen angestrebt und Hilfen bei Anträgen nach SGB IX gegeben. Gesundheitstage sowie Rückenschulkurse in Kooperation mit Krankenkassen sind feste Größen im Präventionsangebot“, beschrieb Funk in seiner Laudatio. Ministerin Heike Werner ergänzte: „Ich wünsche mir, dass Sie in Ihrem Engagement nicht nachlassen. Tun Sie weiterhin alles Ihnen Mögliche, damit behinderte oder wieder genesene Menschen den Weg zurück an ihren Arbeitsplatz finden und diesen gut und ohne Hindernisse ausfüllen können.“ In diesem Zusammenhang verwies Saalfelds Schwerbehindertenvertretung Claudia Streitberger auf das Problem, dass es „in den vergangenen Jahren deutlich schwieriger geworden ist, überhaupt Anträge auf Schwerbehinderung oder Gleichstellung durchzubekommen.“
Der Landespreis wurde 2015 bereits zum vierten Mal durch den Beratenden Ausschuss beim Integrationsamt Thüringen, der sich aus Vertretern der Arbeitnehmer, Arbeitgeber, Organisationen für Menschen mit Behinderungen, des Landes und der Bundesagentur für Arbeit zusammensetzt, verliehen. Er ist mit 10 000 Euro dotiert und wird aus Mitteln des „Ausgleichsfonds für überregionale Vorhaben zur Teilhabeschwerbehinderter Menschen am Arbeitsleben“ finanziert. „Trotz der schwierigen städtischen Haushaltssituation wird die Zuwendung ausschließlich für die Gesundheitsprävention und die Unterstützung der Wiedereingliederung von Langzeiterkrankten und Menschen mit Behinderung eingesetzt“, versicherte Kati Chalupka.
In der Kategorie „Private Arbeitgeber“ ging der Landespreis an das SRH Wald-Klinikum Gera.
Das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) ist eine Aufgabe des Arbeitgebers mit dem Ziel, Arbeitsunfähigkeit der Beschäftigten eines Betriebes oder einer Dienststelle möglichst zu überwinden, erneuter Arbeitsunfähigkeit vorzubeugen und den Arbeitsplatz des betroffenen Beschäftigten im Einzelfall zu erhalten. Im weiten Sinne geht es um ein betriebliches Gesundheitsmanagement zum Schutz der Gesundheit der Belegschaft. Die Rechtsgrundlage ist § 84 Abs. 2 Neuntes Buch Sozialgesetzbuch (SGB IX). Quelle: wikipedia
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