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"Schaue nicht so weit, das Ziel ist nah"


Buchautor Hans Thiers fasziniert mit zweitem Band "Mordfälle im Bezirk Gera"

Wer schon immer wissen wollte, wer wen, wann und wie hier in der Region „um die Ecke gebracht hat“, war Dienstagabend in der Saalfelder Bibliothek richtig. Autor Hans Thiers und Verleger Michael Kirchschlager präsentierten den zweiten Band „Mordfälle im Bezirk Gera“ vor ausverkauftem Publikum.

Gleich zu Anfang nahm Thiers Bezug auf einen aktuellen Fall aus Oldisleben. Ein 20-jähriger Krankenpflege-Azubi soll Ende Mai 2015 seine 82-jährige Nachbarin erst vergewaltigt und ihr dann die Kehle durchgeschnitten haben. „Sicherlich wird sich auch in diesem Fall bestätigen: Schaue nicht so weit, das Ziel ist nah“, meinte der Autor, der in seiner aktiven Zeit mehr als 150 Morde im Bezirk aufgeklärte. Gleichzeitig übte er Kritik am Strafrecht: „Bürger sollen mit 16 Jahren wählen können, sind nach Strafrecht aber weiterhin erst mit 21 Jahren voll straffähig.“

Zu DDR-Zeiten war es „Klassenauftrag“, Verbrechen umgehend aufzuklären, um Ruhe in der Bevölkerung zu halten. Die Aufklärungsquote für nichtnatürliche Todesfälle lag bei 98 Prozent. „Heute ist diese ebenfalls sehr hoch, auch wenn in Ausstattung und Personal deutlich weniger investiert wird. Es kann nicht sein, dass, wie in Ichtershausen geschehen, ein Journalist an einem abgesperrten Tatort eine weitere Babyleiche findet“, meinte Hans Thiers.

Wie verwerflich Tötungsdelikte sein können, zeigte der Kriminalrat a. D. an einem weiteren Fall auf. Wegen einer Geliebten ermordete ein Könitzer 1957 Schwiegermutter, Ehefrau und Sohn. Zunächst setze er seine Familie mit Handkantenschlägen außer Gefecht, stieß sie dann eine Kellertreppe hinunter und tötete sie wenig später mit einem Beil und gezielten Kopfschlägen. „Die Ermittlungen in Mordfällen sind stets sehr unterschiedlich. Albtraumhaft wird es für Kriminalbeamte immer dann, wenn der Täter nicht vorbestraft ist, man ihm keine solche Tat zutraut und er keine Fehler macht“ erklärte Thiers. Auf die Frage, wie ein Kriminalist mit derartigen Fällen fertig wird, meinte der Autor: „Sie müssen die Verstandesebene einschalten und die Gefühlsebene ausschalten. Oder man erzählt sich einen Polizistenwitz.“

Zum Ende der Lesung schilderte Thiers ein Ereignis aus Saalfeld, das selbst zum schmunzeln anregte. Ein Mann, Mitte 70, starb in den Armen einer 18-jährigen Frau. War es Mord? Die Untersuchungen ergaben, dass der ältere Herr an Herz-Kreislauf-Versagen starb – während des Beischlafs. Pikant war allerdings, dass die Frau die Tochter eines Funktionärs der SED Kreisleitung war. „Auch solche Episoden muss man mal erlebt haben“,  schilderte der Autor und schloss: „Das höchste Gut des Menschen ist das Leben und nicht der Tod.“

„Mordfälle im Bezirk Gera II“ ist im Buchhandel erhältlich. Der erste Band ist derzeit vergriffen. Die Zweitauflage erscheint am 25. Januar.


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