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"Ertragen können wir sie nicht"


Martin Luther und die Juden – Vortrag und Gespräch mit Pfarrer Teja Begrich

Seit gut einem Monat wird in der Saalfelder Johanneskirche im Rahmen des Reformationsjubiläums die Wanderausstellung „Ertragen können wir sie nicht - Martin Luther und die Juden“ gezeigt. Die Schau des Referats für Christlich-Jüdischen Dialog der Nordkirche umfasst 17 Leinwände, beleuchtet das Verhältnis zwischen Martin Luther und dem Judentum und regt zur kritischen Reflexion über Luthers Judenfeindschaft am. Gerade zum 500. Reformationsjubiläum 2017 sieht man es seitens der evangelische Kirche in Deutschland als Verpflichtung an, sich auch „mit diesem dunklen Erbe der lutherischen Reformation“ auseinanderzusetzen.

In der Ausstellung werden Luther und seine antijüdischen Schriften der Geschichte der Juden in Deutschland bis in die Gegenwart gegenübergestellt. Ein wichtiges Augenmerk liegt dabei auf dem Einfluss von Luthers Haltung zu den Juden auf spätere Generationen, die bis zur grausamen Vernichtung der Juden in der Zeit des Nationalsozialismus führte. In dieser Zeit wurden u. a. lutherischen Schriften zur Rechtfertigung des Mordens herangezogen.

Am 8. September, um 19:30 Uhr referiert im Vortragsraum der Kreissparkasse Saalfeld-Rudolstadt (Eingang Kirchplatz) Teja Begrich, Pfarrer in Mühlhausen und Beauftragter der EKM für den christlich-jüdischen Dialog, über den abgrundtiefen Antijudaismus des Wittenberger Reformators und lädt zum Gespräch darüber ein, warum es ist nicht nur eine Freude ist, evangelisch und lutherisch zu sein.

Die Sonderausstellung ist noch bis zum Tag des offenen Denkmals am 11. September zu sehen.

 

Zur Ausstellung im Allgemeinen

(Information der Nordkirche)

Die Ausstellung gibt einen Überblick über Leben und Wirken des Reformators und beschäftigt sich dann mit dem problematischen Verhältnis Martin Luthers zu den Juden. „Der Reformator war ein genialer theologischer Denker, Liederdichter und mutiger Reformator der Kirche, aber auch ein vehement antijüdischer Kirchenmann“, so Hanna Lehming, Ausstellungsinitiatorin und Beauftragte für christlich-jüdischen Dialog im Zentrum für Mission und Ökumene der Nordkirche. Zwar habe die Tonlage seiner Auseinandersetzung mit dem Judentum im Laufe seines Lebens gewechselt, doch Luthers Grundhaltung sei Zeit seines Lebens dieselbe geblieben: „Er hielt den jüdischen Glauben für verblendet und die Juden für den größten Feind des Christentums.

In seiner übelsten antijüdischen Schrift „Von den Juden und ihren Lügen“ ruft der Reformator ausdrücklich dazu auf, die Juden zu unterdrücken, ihre Synagogen und Häuser zu zerstören und ihre Gebetbücher und Talmudim zu verbrennen“, erläutert sie. „Die Feier der Reformation muss sich auch der offenen Auseinandersetzung mit Luthers Judenfeindschaft stellen“, so Hanna Lehming weiter. So müsse die Frage beleuchtet werden, ob solche Äußerungen als Entgleisungen zu betrachten sind oder ob sie doch tiefer in der reformatorischen Theologie verankert sind. Zum Konzept der Tafeln gehöre es, so Lehming, die Juden als Souveräne ihrer Geschichte und nicht ausschließlich als Opfer darzustellen: Ausführlich werden Geschichte und Status des Judentums in Deutschland bis in die Reformationszeit ins Bild gesetzt.

In der Ausstellung werden Fragen gestellt, Zusammenhänge aufgezeigt, Denkanstöße gegeben, jedoch auf eindeutige Antworten bewusst verzichtet. „Wir wollen den Betrachtern keine Richtigkeiten vorsetzen, sondern zum kritischen Denken anregen“, so Hanna Lehming.


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Ansprechpartner

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Daniela Jahn
03671 598-205     Email schreiben...