Stadtmuseum mit neuer Publikation
Claudia Streitberger stellte in dieser Woche die neuste Publikation des Saalfelder Stadtmuseums vor. In dem gerade erst erschienen Begleitband zur Sonderausstellung „Leben sucht das Kind – Kindheit in Saalfeld“ verdeutlichen zahlreiche Fotos, Zeitzeugenberichte und Texte eindrucksvoll den tief greifenden Wandel, den Familie und Alltag, Schule und Freizeit im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts in Deutschland erfahren haben.
„Kindheit, wie wir sie heute verstehen, das heißt als bewusst pädagogisch und ‚kindgerecht‘ gestaltete Zeit des Heranwachsens, hat sich erst ab dem 18. Jahrhundert herausgebildet und war seitdem zahlreichen Veränderungen unterworfen. Der inhaltliche Schwerpunkt der Publikation liegt auf der anschaulichen Vermittlung konkreten kindlichen Alltags in unserer Region und nimmt die dazugehörigen Lebensbereiche in den Fokus“, beschreibt die Autorin.
Das Buch ist für 14,90 Euro an der Kasse des Museums, in der Buchhandlung „Thalia“ und in der Saalfeld Information erhältlich.
Zum Inhalt:
Mit dem einführenden Kapitel „Kinderbildern im Wandel der Zeit“ bekommt der Leser einen faszinierenden Einblick in die Lebensumstände, Schulsituationen, den Alltag und die Freizeit. bekannter und unbekannter Kinder und deren Familien. Der allergrößte Teil der Kinder lebte um 1900 in armen Verhältnissen oder in Familien mit sehr knappem Budget. Die Großfamilie entwickelte sich im Laufe der Zeit, wie überall auf der Welt, immer mehr zur 2- bzw. 1-Kind Familie.
Im Kapitel „Erste Schritte“ geht es um das Kind im Säuglingsalter, wobei die Geburt, Säuglingsausstattung und –pflege und das familiäre Umfeld mit behandelt werden. Auch die Geschichte des Kindergartens und der Pädagogik klingt mit an. Im Kapitel zum Thema „Spielen“ erfährt man, wie sich der Zeitgeist auch immer im Spielzeug der Kinder widerspiegelt. Dies gilt vor allem für das 19. Jahrhundert, dem Zeitalter, das die Kindheit als eigenständige Entwicklungsstufe entdeckte, eine Kultur im Kinderzimmer schuf und zum Entstehen eines Spielzeugmarktes führte.
Kinder von Arbeiter- und Handwerkerfamilien wurden in die tägliche Arbeit auf Feld, Hof und in der Werkstatt mit einbezogen. Kinderarbeit prägte den Alltag vieler Kinder, führte oft zu gesundheitlichen Schäden und hatte negative Auswirkungen auf die Schulleistung.
Die Schule deckt den größten Zeitraum der außerfamiliären Erziehung und Bildung ab und wird ausführlich mit vielen Fotos und Zeitdokumenten vor allem aus Saalfeld behandelt. Während der Kaiserzeit gab es ausgeprägte Klassenunterschiede, die sich besonders in der Schulbildung widerspiegelte. Zum Kinderleben gehören auch Höhepunkte wie Taufe, Schuleinführung, Konfirmation und Firmung. Der Leser erfährt, wie sich im Laufe der Zeit diese lebenszeitlichen Feste verändert haben.
Weitere Kapitel sind der Kleidung und Ernährung gewidmet. Sahen die Kinder zunächst wie kleine Erwachsene aus, setzten verschiedene Reformen wichtige Impulse zur Entwicklung kindgemäßer Bekleidung. Die Ernährung der Kinder war lange Zeit vom Mangel und fehlender Hygiene bestimmt. Das war ein Grund für die hohe Kindersterblichkeit bis zu Beginn des 20. Jahrhundert hinein. Erst langsam wuchs das Verständnis für eine kindgemäße Ernährung, Kleidung und Pflege.
zurück zur Liste
