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Selbstläufer mit Ausrufezeichen


Saalfelds Frauentagsfeier zwischen Kurzweil, Kaffee, Kuchen und ernsten Worten

Mittlerweile ist es Thüringens größte Veranstaltung zur Feier des Internationalen Frauentages: die Saalfelder Frauentagsfeier. Grund genug für Gabriele Kailing, DGB-Landesvorsitzende Hessen-Thüringen, am vergangenen Samstag im Speisesaal der Thüringen-Kliniken vor 200 Frauen die Festrede zu halten.

Kailing führte aus, dass die soziale und wirtschaftliche Gleichstellung noch nicht erreicht worden ist: „Viele Frauen arbeiten nachwievor in Teilzeit und überwiegend in sogenannten Frauenberufen mit niedrigen Entgelten. Die Rente ist schließlich das Spiegelbild des Einkommensniveaus.“ Mit Zahlenbeispielen veranschaulichte sie das zunehmende und bevorstehende Rentenproblem sowie die Sorge um den Verlust der Akzeptanz der gesetzlichen Rente. „Dies ist keine demografische Zeitbombe sondern eine soziale. Wir brauchen ein Zurück zur paritätischem Rentenfinanzierung. Die Riester-Rente ist gescheitert“, verdeutlichte die DGB-Landesvorsitzende. Die Stabilisierung des Rentenniveaus würde nicht vor Altersarmut bewahren, zumal in immer weniger Unternehmen Tarifbindung und -lohn anzutreffen wären. Kailing warb schließlich für ergänzende Elemente zur Rente für Geringverdiener.

Mehr Politik stand an diesem Nachmittag dann aber nicht auf dem Programm, das mit Beiträgen des Maxhüttenchores Unterwellenborn, des Thüringer Folklore Tanzensembles Rudolstadt sowie der Seniorentheatergruppe „Die Entfalter“ der AWO Rudolstadt gestaltet worden war.

Eingangs begrüßten Isrid Müller, städtische Gleichstellungsbeauftragte, Saskia Paschold vom Seniorenbüro des Landkreises sowie Bernhard Hecker vom DGB-Kreisverband. Grüße überbrachte zudem MdL Maik Kowalleck in Vertretung des Landrats. Bürgermeister Matthias Graul dankte dem Veranstalterteam für die gelungene Vorbereitung des ausverkauften „Selbstläufers“. Neben dankenden gab es allerdings auch mahnende Worte: „Alles das was bisher erreicht worden ist, ist nicht selbstverständig. Neue politische Kräfte propagieren alte Ideen mit rückwärtsgewandten Frauen- und Familienbildern. Diese dürfen keinen Platz finden. Streiten wir gemeinsam dafür.“

Zum 106. Mal erinnert in diesem Jahr der „Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden“ – kurz: Internationaler Frauentag – an das Wirken von Zetkin, Duncker und ihre „Nachfahrinnen“ um Gleichberechtigung. Der 8. März dient aber auch als Ansporn heute noch bestehenden Unterschieden in den Lebensverhältnissen und Möglichkeiten von Frauen und Männern entgegenzutreten. Treffend beschrieb es 2008 die luxemburgische EU-Kommissarin Viviane Reding als sie Sie sich gegen „das Feigenblatt eines symbolhaften Tages“ wandte: „Solange wir einen Frauentag feiern müssen, bedeutet das, dass wir keine Gleichberechtigung haben. […] Das Ziel ist die Gleichberechtigung, damit wir solche Tage nicht mehr brauchen.“

„Als Clara Zetkin und Käthe Duncker 1910 die Einführung eines Weltfrauentages auf den Weg brachten, ging es vordergründig um das Frauenwahlrecht. Doch inspirierten sie ebenso die Proteste der amerikanischen Arbeiterinnen und ihr Kampf um gleichen Lohn für gleiche Arbeit – schlicht um Gleichberechtigung. In den zurückliegenden Jahrzehnten entwickelte sich dieser Kampf und nahm viele Formen an. Nur ein Ende fand er bisher nicht“, beschreibt Saalfelds Gleichstellungbeauftragte Isrid Müller.

Herzlichen Dank den ehrenamtlichen Helfern sowie den Sponsoren der Frauentagsfeier 2017: Kreissparkasse Saalfeld-Rudolstadt, Stahlwerk Thüringen, SAMAG, Stadtwerke Saalfeld, WSQ Bau Saalfeld, Landratsamt Saalfeld-Rudolstadt und Apotheke von Hirschhausen.


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