Der Kommunismus in seinem Zeitalter
Wanderausstellung im Saalfelder Stadtmuseum setzt sich mit der Oktoberrevolution, dem Kommunismus und seinen Diktaturen auseinander
Saalfeld/Saale. In diesem Jahr jährt sich die Oktoberrevolution zum 100. Mal. Aus diesem Anlass wird seit gestern im Saalfelder Stadtmuseum die Wanderausstellung „Der Kommunismus in seinem Zeitalter“, die den Aufstieg und Niedergang der kommunistischen Bewegungen beschreibt, gezeigt.
Die Ausstellung umfasst 25 Tafeln mit über 200 zeithistorischen Fotos, Dokumenten und QR-Codes, die mit Filmdokumenten im Internet verlinkt sind.
Im Februar 1917 begann mit dem Sturz des Zaren die Russische Revolution. Die Hoffnung auf eine Demokratisierung Russlands sollte sich nicht erfüllen. Im Oktober 1917 griffen die Bolschewiki unter der Führung Lenins in Petrograd, dem heutigen Sankt Petersburg, nach der Macht. Ihr zur Oktoberrevolution mystifizierter Putsch war die Geburtsstunde des Kommunismus, der zur größten und tiefgreifendsten Massenbewegung des 20. Jahrhunderts wurde.
In der ganzen Welt entstanden Parteien, die als Teil der „Kommunistischen Internationale“ von ihren Mitgliedern totale Hingabe und absolute Disziplin verlangten. Sobald eine kommunistische Partei die Macht errungen hatte, hatten sich alle Bürgerinnen und Bürger ihrem Regime aktiv unterzuordnen. Dieser gewaltsam durchgesetzte totalitäre Anspruch auf die Gestaltung aller Lebensbereiche zerstörte zahllose Existenzen, vernichtete Millionen Menschenleben und hinterließ immense geistige sowie soziale Verwüstungen. Zugleich aber mobilisierten die Kommunisten in ihren Hochzeiten einen erstaunlichen Enthusiasmus sowie intellektuelle und künstlerische Energien – bis die permanenten Überspannungen in Erschöpfung, Passivität, Zynismus oder Dissidenz mündeten.
Trotz dieser Entwicklung kam der jähe Kollaps des „Sozialistischen Lagers“ und der UdSSR nach 1989 ebenso unerwartet wie der Aufschwung Chinas unter der ungebrochenen Diktatur der Kommunistischen Partei. Beides lässt die historische „Karriere“ des Weltkommunismus seit 1917 umso erklärungsbedürftiger erscheinen.
Die Ausstellung „Der Kommunismus in seinem Zeitalter“ lädt zur Auseinandersetzung mit dem Kommunismus und seinen Diktaturen ein, die in der historischen Bildungsarbeit bislang zu wenig Aufmerksamkeit fand.
Die Ausstellung von Gerd Koenen – herausgegeben von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und dem Deutschen Historischen Museum – ist noch bis zum 4. Juni 2017 zu sehen.
Foto: Pressefoto Bundesstiftung Aufarbeitung / picture-alliance / akg-images
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