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Mehr als Kaffee und Kuchen


Ausverkaufte Frauentagesfeier zwischen Wahlrecht, Kultur, und Geschlechtergerechtigkeit

Am ersten Samstag im März fand im Speisesaal der Thüringen-Kliniken die Saalfelder Frauentagsfeier statt – nach Bekunden des DGB die größte Veranstaltung zur Feier des Internationalen Frauentages. Alljährlich veranstalten die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Saalfeld/Saale, Isrid Müller, das Seniorenbüro des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt sowie der DGB-Kreisverband Saalfeld-Rudolstadt diese Feier für Frauen aus der Region bzw. für die „betagtere Jugend“, wie Tom Fieseler vom Tanzsport & Artistik-Studio Jena e. V. meinte.

Kulturelle Beiträge des Thüringer Folklore Tanzensembles Rudolstadt, der Jenaer Artistengruppe „Toledos“ sowie des Alleinunterhalters Hartmut Rentsch umrahmten die Grußworte von Bürgermeister Matthias Graul und Julia Langhammer, Gewerkschaftssekretärin im DGB Thüringen.

Zunächst oblag allerdings Isrid Müller und DGB-Gewerkschafter Bernhard Hecker die Begrüßung. „Herzlich begrüße ich meinen Bürgermeister, der sich heute letztmalig und zuvor Jahr für Jahr hier hat inspirieren lassen. Er wird eine große Lücke hinterlassen und mir wird etwas fehlen“, sagte Müller und schloss einen Dank an die Sponsoren – Kreissparkasse Saalfeld-Rudolstadt, SAMAG, Stadtwerke Saalfeld, Stahlwerk Thüringen, WSQ Bau und Apotheke von Hirschhausen – an.

In seinem Grußwort, dass er mit „Frauen tragen die Welt in ihren Händen“ in Anspielung auf ein 2015er Projekt mit der französischen Partnerstadt Stains begann, beleuchtete Saalfelds Stadtoberhaupt insbesondere 100 Jahre Frauenwahlrecht. Neben einem geschichtlichen Überblick bilanzierte er die vergangene Bundestagswahl. „Der neue Bundestag ist größer, bunter, ein wenig jünger, aber vor allem männlicher. Mit 30,7 Prozent ist der Anteil der Frauen im Bundestag so gering wie seit der Wahlperiode 1994 bis 1998 nicht mehr. Vollendete Gleichberechtigung und Abbildung der Gesellschaft kann man das sicher nicht nennen“, erläuterte Graul und erinnerte zudem daran, dass rund 52 Prozent aller Wahlberechtigten in Deutschland weiblich sind. Der Bürgermeister warb auch dafür, dass Saalfelderinnen ihr Königsrecht aller Demokraten – ihr über Jahrhunderte erkämpftes Wahlrecht – auch zur Bürgermeisterwahl 2018 ernst- und wahrnehmen sollten. Abschließend dankte Graul den Anwesenden für den alljährlichen herzlichen Empfang zur Frauentagsfeier: „Selbst in der männlichen Minderheit fühlte ich mich bei ihnen stets sehr willkommen.“

Julia Langhammer trommelte in ihrer Festrede für gesellschaftlichen Zusammenhalt sowie „rechtliche und tatsächliche“ Geschlechtergerechtigkeit. Es brauche starke Einkommens- und Tarifentwicklungen für damit zusammenhängende Rentenerhöhungen, zumal „man Geld für Teilhabe benötigt“. Beherzt meinte Langhammer: „Wir müssen weiter für eine solidarische, gerechte Gesellschaft zwischen Mann und Frau sowie allen Einkommensschichten kämpfen.“

Hintergrund: Zum 107. Mal erinnerte in diesem Jahr der „Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden“ – kurz: Internationaler Frauentag an das Wirken von Zetkin, Duncker und ihre „Nachfahrinnen“ um Gleichberechtigung. Der Tag dient aber auch als Ansporn heute noch bestehenden Unterschieden in den Lebensverhältnissen und Möglichkeiten von Frauen und Männern entgegenzutreten. Treffend beschrieb es 2008 die luxemburgische EU-Kommissarin Viviane Reding als sie Sie sich gegen „das Feigenblatt eines symbolhaften Tages“ wandte: „Solange wir einen Frauentag feiern müssen, bedeutet das, dass wir keine Gleichberechtigung haben. […] Das Ziel ist die Gleichberechtigung, damit wir solche Tage nicht mehr brauchen.“

Nicht anders sieht es Saalfelds Gleichstellungbeauftragte Isrid Müller: „Als Clara Zetkin und Käthe Duncker 1910 die Einführung eines Weltfrauentages auf den Weg brachten, ging es vordergründig um das Frauenwahlrecht. Doch inspirierten sie ebenso die Proteste der amerikanischen Arbeiterinnen und ihr Kampf um gleichen Lohn für gleiche Arbeit – schlicht um Gleichberechtigung. In den zurückliegenden Jahrzehnten entwickelte sich dieser Kampf und nahm viele Formen an. Nur ein Ende fand er bisher nicht.“


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