Volles Haus zum Auftakt der Saalfelder Dialogwoche
Saalfeld. Pilotprojekte bringen vor allem eines mit sich - Unsicherheit. Wird die Idee angenommen? Wer interessiert sich dafür? Können die Menschen für ein neues Projekt begeistert werden? All diese Fragen standen auch zum Auftakt der Saalfelder Dialogwoche, die Bürgermeister Dr. Steffen Kania ins Leben gerufen hat, im Raum. Doch alle Bedenken zerstreuten sich am Montagabend im Großen Saal des Bürger- und Behördenhauses zum Dialog "Ehrenamt und Sport". Mehr als 70 interessierte Bürger und Vereinsmitglieder aus den unterschiedlichsten Feldern des Saalfelder Vereinslebens hatten ihren Weg zum Diskussionsabend gefunden.
Unter dem Motto "Ehrenamt im 21. Jahrhundert - Wo stehen wir?" sorgten zunächst Dr. Volker Düssel, Vorsitzender der Thüringer Ehrenamtsstiftung, Rolf Beilschmidt als Geschäftsführer des Landessportbundes Thüringen und Thomas Säuberlich, Leiter der Sportabteilung der Stadt Saalfeld mit ihren Impulsvorträgen für den notwendigen Input, bevor die Diskussion unter der Moderation von Didi Bujack eröffnet wurde. So erklärte Dr. Düssel zunächst die Bedeutung des Ehrenamts: "Eine Gesellschaft kann ohne ehrenamtliches Engagement nicht leben. Und dafür brauchen wir die entsprechende Anerkennungskultur." Dazu gehöre auch die Ehrenamtskoordination, also die Verbindung von Haupt- und Ehrenamt, wie der Stiftungsvorsitzende betonte. So müsse vor Ort geklärt werden, welche Modelle für die jeweilige Region geeignet sei. Darüber hinaus räumte Dr. Düssel mit einem weitverbreiteten Klischee auf. "Die mit Abstand aktivste Gruppe der Ehrenamtlichen sind die Jugendlichen", sagte Dr. Düssel. So mache die Gruppe der 17- bis 27-Jährigen mit 43 Prozent die größte Gruppe der Ehrenamtlichen aus. Allerdings habe sich die Orientierung verändert. So würden sich die Jugendlichen eher kurzfristig für ehrenamtliches Engagement gewinnen lassen.
Eine Situation, die Armin Biedlingmaier vom Feuerwehrverein Beulwitz Aue am Berg kritisch sah: "Die Feuerwehr ist kein kurzfristiges Projekt. Das ist ein Engagement, das Erfahrung braucht. Wir brauchen die Leute, die zehn oder 20 Jahre dabei sind." Zudem sah er den Stellenwert der Freiwilligen Feuerwehrleute in der Gesellschaft unterrepräsentiert. Hier müsse es deutlich mehr Anerkennung geben. Eine Sichtweise, die auch im Publikum widerspiegelte. So berichteten Mitglieder des DRK-Katatstrophenschutzes und der Saalfelder Feuerwehr, dass sie für ihre Einsatzkleidung zum Teil selbst aufkommen müssten. Das sei im Vergleich zu anderen Ehrenamtstätigkeiten sehr kostenintensiv und brachten eine stärkere finanzielle Förderung für solche Anschaffungen ins Gespräch. Demgegenüber betonte Rolf Beilschmidt, dass die Vereine durchaus über eigene finanzielle Zuwendungen, etwa an die Trainer nachdenken sollten.
Was die Finanzierung des Ehrenamts angeht, zeichneten sich unterschiedliche Sichtweisen ab. So erklärten etwa die Mitglieder des Saalfd-Rolschter-Carnevalsclubs, dass Ehrenamt nun einmal Ehrenamt sei. Hier könnten die Vereine keine finanziellen Zuwendungen leisten. Stattdessen sei die Politik gefragt, um Anreize für das Ehrenamt zu schaffen, etwa durch Steuerentlastung. Anders positionierte sich Rolf Beilschmidt. Er brachte auch finanzielle Unterstützung seitens der Vereine, etwa für Trainer, ins Gespräch.
Auf die Verantwortung von Politik verwies auch Ralf Kunz, Vorsitzender des Saalfelder Imkervereins. "Für die Arbeit, die wir als Verein leisten brauchen wir die Unterstützung und Hilfe der Stadt und der Institutionen vor Ort. Hier hat sich in Saalfeld bereits eine tolle Zusammenarbeit entwickelt", betonte Kunz.
Auf ein weiteres Problem verwies auch der Saalfelder Anglerverein, wenn es um die Fortbildung von Ausbildern und Trainern gehe. So sei für die entsprechenden Lizenzen ein hoher bürokratischer Aufwand nötig. Das führe etwa im Angelverein dazu, dass die Ehrenämtler, die fortbilden möchten häufig ihren Sport ruhen lassen müssten, um die geforderten Maßnahmen zu erfüllen. Hier müssten neue Wege beschritten werden, etwa Fortbildung über das Internet. Dazu erklärte Rolf Beischmidt, dass es in Thüringen bereits erste Unternehmungen gebe, um Bürokratie abzubauen, etwa durch die Dezentralisierung der Ausbildung.
Zum Abschluss brachte Bürgermeister Dr. Steffen Kania noch seinen Dank für die rege Beteiligung zum Ausdruck: "Das macht uns Mut, die Dialogwoche als Veranstaltung auch in den kommenden Jahren fortzusetzen."
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