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AKTUELLES ∎ Nachrichten und Informationen ∎ News vom 20.04.2019

Stadtmedaille für Gerhard Meyer


Hohe Ehrung für Künstler Gerhard Meyer, der langjähriger Vorsitzender des Kulturförderung Saalfeld e. V. ist und bis 2005 Saalfelds Kultur- und Sozialdezernent war.

Bürgermeister Dr. Steffen Kania würdigte Meyer, der sich "mit seinem jahrelangen, beispielgebenden ehrenamtlichen Engagement und durch anerkennenswerte Leistungen künstlerischer Art Verdienste erworben hat, die dem Ansehen der Stadt und dem Wohle der Allgemeinheit dienen", auf Beschluss des Stadtrates mit der Saalfelder Stadtmedaille im Rahmen der Finissage zur Personalausstellung anlässlich seines 75. Geburtstages in diesem Jahr.

Auszug aus der Beschlussbegründung und Laudatio, die Bürgermeister Dr. Steffen Kania am 20. April 2019 hielt:

Nach fast 15-jähriger Tätigkeit in der Stadtverwaltung Saalfeld/Saale wurde Gerhard Meyer am 28. Januar 2005 als Kultur- und Sozialdezernent aus dem aktiven Arbeitsleben verabschiedet. Meyer engagierte sich in seiner Amtszeit für den Aufbau einer funktionierenden kommunalen Selbstverwaltung in der Stadt Saalfeld/Saale und für reichhaltige Angebote an Einwohner und Besucher Saalfelds - insbesondere in den Bereichen der Kultur und des Sports.

Ging es zunächst während und nach der Wende um den Aufbau von neuen Strukturen in der Verwaltung, in den Einrichtungen und um den Erhalt und die Neugründung von Vereinen, so engagierte er sich später weiter für ein ausgeprägtes unverwechselbares Kultur- und Kunstangebot der Stadt, die Entwicklung einer sozialen Infrastruktur, den Fremdenverkehr, die Kinder- und Jugendarbeit, die Schulen, die Denkmalpflege und den Sport.

Während seiner Amtszeit entstanden bzw. wurden saniert: Stadtmuseum, Meininger Hof, Jugend- und Stadtteilzentrum Gorndorf, Dreifeldersporthalle Gorndorf, Schwimmbad und Schwimmhalle sowie Stadion „An den Saalewiesen“. In diesen die Stadt und die Region prägenden Einrichtungen wird sein Engagement besonders deutlich.  Besonders verdient machte er auch bei der Vorbereitung und Durchführung des Festjahres 1999 mit der „1100-Jahrfeier“ und dem „Thüringentag“.

Nach Jahren des erfolgreichen Aufbaus von kultureller, sportlicher und sozialer Infrastruktur stand im Mittelpunkt seiner Tätigkeit in den 2000er Jahren der Erhalt dieser Vielfalt unter schwieriger werdenden Rahmenbedingungen. In allen Diskussionen und gegenüber seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zeichnete er sich durch großen Einsatz für die Sache, verbunden mit einer großen menschlichen Wärme aus. Dies brachte ihm die Achtung von Vorgesetzten, Mitarbeitern und des Stadtrates ein. Darüber hinaus genoss er aufgrund seiner langjährigen tadellosen und erfolgreichen Tätigkeit im Beruf sowie seiner Verdienste bei vielen Saalfelder Bürgerinnen und Bürgern und in der Region großes Ansehen. Auf Beschluss des Stadtrates vom 26. Januar 2005 wurde Gerhard Meyer daher anlässlich seiner offiziellen Verabschiedung mit der „Silbernen Bürgermedaille der Stadt Saalfeld/Saale“ geehrt.

Anlässlich seines 70. Geburtstages im Jahr 2014 laudatierte Dr. Maren Kratschmer-Kroneck über Gerhard Meyer. Der Inhalt dieser Laudatio ist nach wie vor aktuell und beschreibt das engagierte Wirken von Saalfelds langjährigem Kultur- und Sozialdezernenten als Künstler und Kulturschaffenden.

„Er ist ein leidenschaftlicher Landschafter, sowohl als Naturgänger, und das zumeist mit Frau und per Rad, aber auch zeichnend und malend vor einem Naturstück. Doch er ist kein romantischer Naturschwärmer, der Darwin und den immerwährenden Kampf ums Dasein verschlafen hat, selbstverliebt in die Idyllen, sondern einer, der ahnungsvoll die scheinbaren Paradiese hinterfragt. Er bringt in die Naturstimmungen seine Metaphern ein und kippt die Natur-Bilder in Sinn-Bilder.

Natürlich kommt ein Landschafter auch heute an der Romantik, die ja einst die Natur als selbstständiges Sujet entdeckt hat, nicht vorbei, doch Gerhard Meyer hat seine eigene Stilistik entwickelt, indem er das Geschaute mit klarer Sachlichkeit kontert und damit ins Magische verfremdet. Diese Tendenz wurde mit den Jahren immer intensiver: Er sucht Motive mit schneidenden Senkrechten, Winkeln und Kanten, menschengemachte Konstruktionselemente; er setzt sie in architektonischen Blöcken als gewichtige Kontraste in die Szenerien. Damit zerstört er bewusst jegliche Idyllik. So schöpft er zwar aus einem intensiven Naturerleben und feiert die Natur als „geniale Schöpfung“ mit einem unendlichen Motivreservoir, aber er weiß auch, dass die Natur als Gewachsenes biologischen Gesetzen gehorcht und selbst keine Ästhetik verfolgt. Erst der Künstler vermag sie nach ästhetischen Kategorien zu gestalten.

Auch das weckt Meyers Gestaltungslust: die Zusammenschau aus Vorgegebenem, Sinnerfüllung und künstlerischer Umsetzung. Und er liefert dann Zustandsberichte, die als Kompositionen sowohl Feste für die Augen als auch Momente einer Ewigkeit bieten. In jedem Falle aber können sie als hintergründige Phänomene gesehen werden: Sich in der Bildtiefe verlierende Wege, Weggabelungen, die filigrane Lineatur blattloser Bäume, von Schnee zugedecktes Land, vereiste Pfützen, ausgetretene Stufen, Gleise zwischen Mauerfronten, Treppenunterführungen – Marodes, Bröckelndes, Verfallendes, Abgeschiedenes, Verwunschenes, auch Melancholisches. Es sind Landschafts-Stillleben in konsequenter Klarheit. Da passiert etwas in aller Stille, etwas Unspektakuläres. Solche Motive entdeckt er fernab von Zivilisationszentren und Fernverkehrsstraßen. Es sind Gegenbilder, Kontrastbilder zu unserer pulsierenden, quirligen und oft chaotischen Welt, präsentiert von einem respektvollen Beobachter und Chronisten, der auf Besinnung und Kontemplation setzt, die weit über das Ab-Bildhafte hinaus reichen.

In den vier Jahrzehnten seines Kunstschaffens ist ein umfangreiches und beachtenswertes Oeuvre entstanden. Seit Kindheitstagen ist Gerhard Meyer der Kunst nah. Schon sein Vater war ein begnadeter Maler mit großen Kenntnissen in Kultur- und Kunstgeschichte, und der Sohn hatte ihm oft beim Zeichnen und Malen über die Schulter geschaut. Das kam dem Diplomingenieur zugute, als er, in der Forschung des Chemiefaserkombinats Schwarza tätig, nach einem Äquivalent suchte. Damals begann er zu zeichnen und zu malen, und er fand dabei inneren Ausgleich. Später - als langjähriger initiativreicher Kulturdezernent der Stadt Saalfeld/Saale - war ihm sein eigenes künstlerisches Wirken ein inneres Bedürfnis, und erst recht, als er 2005 in den, aktiven Ruhestand‘ einstieg. Kunst ist ihm unverzichtbarer Lebensinhalt.“

Mit seinem jahrelangen, beispielgebenden ehrenamtlichen Engagement hat sich Gerhard Meyer durch anerkennenswerte Leistungen künstlerischer Art Verdienste erworben, die dem Ansehen der Stadt und dem Wohle der Allgemeinheit dienen. Sein Wirken soll mit der Saalfelder Stadtmedaille gewürdigt werden.


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