Saalfeld gedenkt Opfern der Bombardierung vor 75 Jahren
Saalfeld. Es war ein Tag, der tiefe Wunden geschlagen hat. Wunden, die Menschenleben gekostet und noch bis heute im Stadtgebiet Saalfelds zu erkennen sind. Am 9. April 1945 wurde die Stadt an der Saale das Ziel des bis dahin größten Angriffs alliierter Bomberverbände. Insgesamt kosteten die Fliegerangriffe 208 Menschen das Leben, darunter 172 Ortsansässige. Allein im Luftschutzkeller am Saaltor starben 38 Bürger der Stadt.
Gut zehn Stunden wurde die Feengrottenstadt aus der Luft bombardiert. In 52 Anflügen wurden fast 1 300 Bomben über der Stadt abgeworfen. Zu den Angriffszeiten gibt es unterschiedliche Angaben. Vermutlich stammen die Differenzen aus den Unterschieden zwischen Zeugenaussagen und den Einsatzberichten der US-Soldaten. Gesichert ist der Zeitraum zwischen 10:00 Uhr und 19:00 Uhr. Der schwerste Angriff erfolgte 12:18 Uhr/12:19 Uhr. Nach einer Pause wurden die Angriffe 16:15 Uhr fortgesetzt und endeten 18:48 Uhr. Hauptangriffsziel der viermotorigen Flugzeuge war das als wichtiger Verkehrsknotenpunkt bekannte Gelände des Saalfelder Bahnhofes. Außerdem wurden mehrere Fabrikanlagen in der heutigen Kulmbacher Straße und der Kulmstraße, darunter die Waschmaschinenfabrik Max Schaede zerstört. Hinzukamen viele Wohngebäude im Bahnhofsbereich sowie im Stadtzentrum.
Dieses Ereignis hat sich bis heute ins kollektive Gedächtnis der Stadt eingegraben. Und auch 75 Jahre nach dem Angriff sind die Opfer von damals und die Leiden, die die Menschen ertragen mussten, nicht in Vergessenheit geraten. Eine Gedenksäule auf dem Saalfelder Hauptfriedhof sowie eine Tafel am Saaltor erinnern an die Opfer des 9. April 1945.
Darüber hinaus jährt sich am gleichen Tag der Todestag des Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer ebenfalls zum 75. Mal. Der Theologe wurde von den Nationalsozialisten kurz vor Kriegsende im KZ Flossenbürg ermordet. Der 9. April ist daher in Saalfeld ein Tag des Gedenkens und wiederkehrende Mahnung an die Schrecken von Krieg und Diktatur. „Neben dem offiziellen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar ist der 9. April ein Gedenktag für Trauer, Andenken, Mahnung und Aufforderung. Die Erinnerung darf nicht enden und muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen, sodass jeder Gefahr der Wiederholung von Krieg und Diktatur entgegenwirkt wird“, verdeutlicht Bürgermeister Dr. Steffen Kania.
Um auch in den Zeiten von Corona den Opfern von damals ein würdiges Andenken zu gewähren, haben sich die Stadt Saalfeld/Saale, der Ev. Kirchengemeindeverband Saalfeld und die Katholische Pfarrgemeinde Corpus Christi Saalfeld sowie das Bürgerradio SRB zusammengetan. Am 9. April 2020 werden jeweils um 10 Uhr, 12:18 Uhr, 16:15 Uhr und 18:48 Uhr (Zeiten der jeweiligen Luftangriffe) die Glocken der Saalfelder Johanneskirche sowie Katholischen Kirche „Corpus Christi“ geläutet. Das normale Läuten wird an diesem Tag entfallen.
Unterstrichen wird das Geläut mit gleichzeigten Botschaften von Saalfelds Stadtoberhaupt Dr. Kania, den evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrern sowie Robin Wagner, dessen Großtante 1945 aus den Trümmern am Saaltor als eine der wenigen gerettet werden konnte. Ausgestrahlt werden die Gedenkworte um 10 Uhr, 12:18 Uhr, 16:15 Uhr und 18:48 Uhr parallel im Bürgerradio SRB sowie auf der Facebookseite der Stadt Saalfeld/Saale.
Saalfelds Bürgermeister wird zudem mit den Pfarrern beider Konfessionen im stillen Gedenken einen Kranz auf dem Hauptfriedhof an der Gedenksäule niederlegen. Wegen der aktuellen Corona-Maßnahmen erfolgt dies mit dem gebotenen Sicherheitsabstand sowie den erforderlichen Hygienemaßnahmen unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Zum Gedenken an die Opfer der Bombardierung Saalfelds wird, wie alle Jahre, ein Blumengebinde an der Gedenktafel am Saaltor angebracht.
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