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AKTUELLES ∎ Nachrichten und Informationen ∎ News vom 01.05.2020

Ein Stück Normalität: Saalfelds städtebauliche Entwicklung geht weiter


Saalfelds Erste Beigeordnete Bettina Fiedler erklärt im Interview zu Kurtourismus und Stadtentwicklung: „Das stimmt hoffnungsvoll.“

Auch Saalfeld spürt die Folgen der Corona-Krise. Daher die erste Frage: Frau Fiedler, wie geht es Ihnen? 

Ich bin gesund und das bleibt hoffentlich auch so. Ich wünsche mir allerdings, dass alle, die erkrankt oder in Quarantäne sind, diese Zeit gut durchstehen.

Geschlossene städtische Einrichtungen, kein Schulunterricht, keine Kindergartenbetreuung, Einzelhändler, Hoteliers und Gastronomen, die seit Wochen ihre Betriebe zusperren müssen, abgesagte Veranstaltungen und verbotener Tourismus. Insbesondere für Sie als Stadtentwicklungsdezernentin sicherlich keine leichte Zeit?

Die Situation ist für viele eigentlich starke mittelständische Unternehmen und insbesondere Einzelgewerbetreibende existenzbedrohend. Neben die Sorge um die Gesundheit, tritt zunehmend auch die Sorge um die Zukunft und um den Arbeitsplatz. Kurzarbeit ist an der Tagesordnung. Ich gehe daher ein wenig wehmütig durch Saalfelds Straßen. Unsere pulsierende Innenstadt und unsere touristischen Anziehungspunkte liegen aktuell brach und verlassen. Es ist ohne Frage eine ernste und schwierige Situation und die größte Herausforderung für uns alle nach der Wende 1990. Dennoch blicke ich zuversichtlich in die Zukunft. Saalfeld hat die großen Krisen der Vergangenheit stets mit dem Zusammenhalt aller Bürgerinnen und Bürger und Tugenden wie Ruhe, Gelassenheit, Hilfsbereitschaft und Solidarität gemeistert. Das wird 2020 nicht anders sein. Persönlich gibt mir die Umsetzung unserer ambitionierten städtebaulichen Kurstadtprojekte ein Stück Normalität in diesen bewegten Zeiten zurück. Das stimmt hoffnungsvoll.

Stichwort „Kurstadt“: Saalfeld ist seit 01.01.2018 anerkannter „Ort mit Heilstollenkurbetrieb“ und besitzt damit ein Alleinstellungsmerkmal in Ostdeutschland. Oft wurde bereits erwähnt, dass es geeignete Maßnahmen braucht, um Saalfeld als Erholungsort attraktiv zu machen und ihn als solches zu erhalten. Welche Maßnahmen fasst die Stadt da ins Auge?

Hierzu wurden verschiedene Handlungsfelder erarbeitet, die in ihrer Gesamtheit für einen nachhaltigen Entwicklungsschub Saalfelds sorgen. Sie zeigen neue Wege auf, wie u. a. mehr Besucher in die Stadt gelenkt und Urlauberzahlen gesteigert werden. Die Maßnahmen reichen von der Schaffung neuer Angebote durch bauliche Maßnahmen, einer Verbesserung der Infrastruktur bis hin zur Stadtverschönerung durch Begrünung, Ordnung und Sauberkeit.

Was ist davon schon umgesetzt?

Zum Beispiel die Beschilderung und neuen Bänke am Historischer Rundweg, Infostelen vom Bahnhof bis zu Saalebrücke, neue Infotafeln im Stadtgebiet, neuer medialer Kiosk und erneuerte Begrüßungsschilder an den Stadteingängen. Größere Projekte waren bisher die museale Ausgestaltung des Bierkellers am Schlossberg, die Badearztausbildung, die Sitzgelegenheiten in der Saaleaue sowie die Graffitientfernung im Stadtgebiet und das Projekt „Nette Toilette“.

Größere Beachtung in der öffentlichen Wahrnehmung findet derzeit der Städtebau am Oberen Tor sowie im Dürerpark. Frau Fiedler, wie ist der aktuelle Stand?

Die Entwicklung von Oberem Tor und Dürerpark sind neben der Vorbereitung des Bergfried-Areals auf die BUGA 2021 für Saalfeld in 2020 wesentlich. Ich freue mich auf die Eröffnung des Oberen Tores und hoffe, dass wir dieses Kleinod nach der Krise bald vielen Besuchern zeigen können. Wir erzählen hier eine spannende historische Geschichte mit einer zeitgemäßen multimedialen Ausstattung. Parallel beginnen wir mit der weiteren spannenden Ausgestaltung des Darrtores. Die Geschichten beider Ausstellungen ergänzen sich. Die komplette Rahmenhandlung erstreckt sich allerdings auf alle vier Stadttore, die in den nächsten Jahren begehbar sein werden. Mit der in 2017 begonnenen Entwicklung des Dürerparks verfolgen wir gleich mehrere Planungsziele. Es entsteht eine durchgängige erlebbare und barrierefreie Grünanlage zum Verweilen und Spielen. Die Grundgestalt des ehemaligen Stadtmauergraben wird herausgearbeitet. Eingeordnet werden moderne, kostengünstige und gut gestaltete Wasserspielanlagen und Aufenthaltsbereiche. Die Stadteingangssituation wird verbessert, der Altstadtrand aufgewertet und der zentrumsnahe Spielplatz erweitert. Wir stellen Blickbeziehungen wieder her und stärken ökologische Potentiale des städtischen Grünrings.

Die Baumfällungen Anfang März riefen jedoch einigen Unmut seitens Naturschützer und Bevölkerung hervor. Gerechtfertigt?

Mit Blick auf die umfangreiche Bürgerbeteiligung sowie unsere Planungsziele ist die Kritik eher unberechtigt. Seit fast drei Jahren wird öffentlich über die Erneuerung des Dürerparks diskutiert. Im August 2018 vergab der Stadtrat die Planung zur Umgestaltung an das Büro IHLE aus Weimar. Zwei Monate später fand die erste Bürgerversammlung im Saalfelder Stadtmuseum statt. Hier wurden die Bestandaufnahme und die ersten Entwürfe vorgestellt. Via saalfeld.de und Facebook sowie mittels einiger Ortstermine wurden speziell mit den Anwohnern weitere Bedürfnisse abgestimmt. Anfang Juli 2019 erfolgte schließlich die öffentliche Vorstellung des aktuellen Planungsentwurfs. Viele Vorüberlegungen des beauftragten Büros wurden im Rahmen der umfangreichen Bürgerbeteiligung durch abgestimmte Vorstellungen von Bürgern und Stadträten ersetzt. Den Durchführungsbeschluss fasste der Saalfelder Stadtrat am 4. März und die Arbeiten begannen tags darauf. Über alle Schritte informierten Verwaltung und Medien ausführlich.

Die negativen Reaktionen bezogen sich jedoch auch auf den Zeitpunkt der Fällungen, da nach Bundesnaturschutzgesetz Baumfällungen außerhalb des Waldes nur jeweils in der Zeit vom 1. Oktober bis 28./29. Februar erfolgen dürfen. Wie verhält es sich mit diesem Vorwurf, Frau Fiedler?

Bisher war im Dürerpark eine grundhafte Gehölzplanung kaum zu erkennen. Die Erhöhung der Arten- wie auch der Blütenvielfalt steht hier zusammen mit der gestalterischen Aufwertung des Parks. Dazu zählt auch der Gehölzbestand. Die durchgeführten Baumentnahmen erfolgten daher auch zur Bestandsregulierung, um den überalterten oder unkontrollierten Bewuchs zu entnehmen und so gezielt Platz für Erneuerung zu schaffen. Der zur Parkentwicklung gehörende Gehölzentwicklungsplan ist Bestandteil der Genehmigungsplanung. Leider konnten die im Winter geplanten Gehölzarbeiten erst nach dem Vorliegen eines „förderunschädlichen Vorhabenbeginns“ und nach Stadtratsbeschluss durchgeführt werden. Schon im November fand eine Ortsbegehung mit dem kreislichen Umweltamt statt, um alle Fragen zu besprechen und die Maßnahmen fristgerecht durchzuführen. Für alle Gehölzarbeiten außerhalb des Verbotszeitraums liegt eine Genehmigung des Umweltamtes vor.

Noch einmal zurück zum Städtebau. Sie erwähnten kurz Park und Villa Bergfried sowie die BUGA 2021. Was plant die Stadt hier in den kommenden Monaten?

Dank Fördermittel des Freistaats wird im Gärtnerhaus bzw. Unteren Torhaus der Villa Bergfried ein Ankunfts- und Willkommenscenter ohne ständiges Personal vor Ort eingerichtet. Es wird eine freizugängliche Foto-Ausstellung zu Park, Villa und Ernst Hüther enthalten, ergänzt mit parkspezifischen Faltblättern für selbstständige Besucherrundgänge und einem digitalen Infopoint mit den touristischen Angeboten Saalfelds. Außerdem werden Besuchertoiletten untergebracht. Auch planen wir den Abriss der Gewächshäuser im Eingangsbereich. Vergeben wurden im April zudem die Planungsleistungen für einen Steingarten und den unterer Parkplatz im Bergfried-Park.

Welche Maßnahmen der Stadtentwicklung hat die Stadt 2020 noch im Köcher?

Wir legen Terrainkurwege an den Feengrotten und im Bergfried-Park an. Die Brücken im Siechenbachtal werden bis zum Sommer saniert. Hinsichtlich der Wanderwege wird eine Konzeption angeschoben und die Unterhaltungsmaßnahmen schließlich verstärkt. Wir wollen auch das Mountainbiking stärken und planen deshalb zusammen mit Andreas Albrecht fünf schöne und anspruchsvolle Touren rund um Saalfeld. Breiten Raum wird auch wieder die Graffitibeseitigung einnehmen. Hierzu beschafft der Bauhof gerade die notwendige Technik und bildet Mitarbeiter für die Graffitientfernung weiter.

Die vielen Maßnahmen kosten sicherlich auch viel Geld. Der Stadtrat hat zur Finanzierung die Einführung einer „Kurtaxe“ beschlossen. Zum 1. April 2020 trat die Kurbeitragssatzung in Kraft. Wofür werden die Einnahmen verwandt und wie geht die Stadt in den Coronazeiten mit dem Kurbeitrag um?

Der Kurbeitrag wird ausschließlich für die Herstellung, Anschaffung, Erweiterung und Unterhaltung der zu Heil-, Kur- oder Erholungszwecken bereitgestellten Einrichtungen und Anlagen genutzt. Finanziert wird werden mit diesen Einnahmen auch Kurveranstaltungen und die kostenlose Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs. Aktuell erheben wir den Kurbeitrag nicht. Unser Bürgermeister bekräftigte bereits, dass wir niemanden allein lassen. Das gilt auch für die Hotellerie. Für den Zeitraum der behördlich angeordneten Schließung der kulturellen- und Freizeiteinrichtungen sowie dem angeordneten Veranstaltungsverbot verzichten wir daher auf die Erhebung des Kurbeitrages. Sicherlich nur ein kleines Zeichen. Es ist aber wichtig, dass wir zusammenstehen und die Krise gemeinsam meistern.

 

Von Christopher Mielke


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