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AKTUELLES ∎ Nachrichten und Informationen ∎ News vom 29.04.2020

Von Schuhen und Wachtürmen


Saalfeld. In naher Zukunft wird das Obere Tor als eines der Wahrzeichen Saalfelds wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Nach der Sanierung führt eine multimediale Ausstellung durch die Geschichte des Bauwerkes. Auf eine persönliche Geschichte des Oberen Tores ist Robin Wagner in seiner Zeit als Bundesfreiwilliger im Saalfelder Stadtmuseum gestoßen. Er ist ein Nachfahre des letzten Torwächters. Wir haben uns mit dem Geschichtsstudenten unterhalten.

 

Herr Wagner, im Moment laufen ja die letzten Arbeiten im Oberen Tor und die finalen Handgriffe an der dortigen multimedialen Ausstellung, damit dort bald Besucher empfangen werden können. Aber Sie haben zu dem Tor ja eine persönliche Beziehung?

Robin Wagner: Das stimmt. Mein Ur-ur-ur-ur-Großvater ist der letzte Torwächter im Oberen Tor gewesen.

Wie haben Sie das herausgefunden?

Ich wusste schon länger, dass es eine Verbindung zwischen unserer Familie und dem Oberen Tor gibt. Meine Großmutter hat immer erzählt, dass es eine Beziehung zu dem Torwächter geben muss.

Es gab also erste Indizien. Aber das war ja noch kein Beweis, oder?

Nein. Die kamen erst durch meinen Bundefreiwilligendienst im Stadtmuseum. Bei der Vorbereitung der Ausstellung „Raus aus dem Korsett – Saalfelder Frauenalltag von der Kaiserzeit bis 1945“ war ich auf der Suche nach Frauen, die ein Geschäft in Saalfeld betrieben haben. Dabei stieß ich auf eine Vorfahrin von mir, die nachweislich die Enkelin des letzten Torwächters im Oberen Tor war. So kam die Sache ins Rollen.

Damit hatten Sie also den Nachweis, dass an der Familiengeschichte etwas dran ist. Was haben Sie sonst noch herausgefunden?

Das hätte sich keiner vorstellen können, was da alles durch Zufall ans Licht kam. Der letzte Torwächter, Sabinus Wilhelm Emil Oswald, wurde 1815 geboren und war eigentlich Schuhmachermeister. Torwächter war er mehr nebenbei. Zudem sind auch mehrere damalige Zeitungsberichte aufgetaucht, die seine Tätigkeit beschreiben. Daraus geht auch hervor, dass die Familie damals direkt im Tor gewohnt hat, das nur über ein Nachbarhaus erreichbar war.

Wissen Sie, wie ihr Vorfahr ausgesehen hat?

Tatsächlich ja. Bei meinen Recherchen bin ich in privaten Familienunterlagen auf ein Foto des letzten Torwächters gestoßen. Es ist zwar nur noch als Kopie vorhanden, aber trotzdem etwas Besonderes. Die Fotografie steckte damals noch in den Kinderschuhen. Es war damals also eines der ersten Bilder überhaupt.

Was haben Sie sonst noch über ihre Familie und das Tor herausfinden können?

Aus den Unterlagen geht hervor, dass 1891 das angrenzende Haus abgerissen wurde. Damit war der Zugang zum Oberen Tor nicht mehr möglich. In der Folge sind meine Vorfahren dort auch ausgezogen, weil die Wohnung nicht mehr erreichbar war. Zudem konnte ich auch herausfinden, dass die Enkelin des letzten Torwächters, Rosalie Marr, die letzte Person war, die im Oberen Tor geboren wurde. Und über Sie haben sich auch andere Verbindungen ergeben.

Und die wären?

Rosalie Marr, meine Vorfahrin, stand in einem engen Austausch mit Valentin Hopf, dem Gründer des Saalfelder Stadtmuseum. Damit schließt sich der Kreis zu meinem Freiwilligendienst im Stadtmuseum. Vor allem diese Verbindung hat sich in meiner Familie niemand vorstellen können. Aber auch hier sind alte Fotos aufgetaucht, die Roslie Marr gemeinsam mit Valentin Hopf zeigen. Das war schon eine Überraschung. Und vor allem ein Einblick in Dinge, die niemand mehr wusste.

Nun wird das Obere Tor wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Was ist das für Sie persönlich für ein Gefühl?

Es ist eine schöne Verbindung zwischen meiner Familie und der Saalfelder Vergangenheit.


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