Am Sarg der Sojus - Lesung in der Stadt- und Kreisbibliothek Saalfeld/Saale
Ines Slomian, Leiterin der Stadt- und Kreisbibliothek Saalfeld/Saale, begrüßte die Vertreter der Presse und rund 40 Gäste. „Es ist ein großes Glück für uns Herrn Scherzer wieder für eine Lesung in unserer Bibliothek willkommen zu heißen. Keiner konnte vor 30 Jahren vorhersehen, dass sein Buch heute aktueller denn je sein würde.“
Herr Scherzer zu seinem Buch: „Da keine Druckvorlagen mehr existierten, mussten wir das Buch mühevoll Seite für Seite einscannen und den Text korrigieren. Ich habe die Neuauflage des Buches allen Russen und Ukrainern gewidmet, die gegen jede Form des Hasses und des Unrechts in ihren Völkern aufbegehren.“
Dem Titel fügte der Autor die Unterzeile - Wer über das Heute spricht, sollte auch das Gestern kennen – hinzu.
Sechs Monate wohnte Scherzer währen des Umbruchs in einem Holzhaus in Kaluga bei der 82jährigen Jelena Frolowa. Von dort brach er zu seiner Reportagereise in die ehemaligen Sowjetstaaten auf. Er ließ das kleine Holzhaus mit den weißen Fensterläden und Babuschka Jelena Frolowa für einige Zeit zurück und bereiste Litauen, Tatarstan und die Ukraine. Er machte auf seiner Route unter anderem Bekanntschaft mit Popen, Bolschewiki, Revolutionären, Millionären und einem Feind der Menschen, der damals fast unbemerkt unter der Oberfläche der zerfallenden Sowjetunion zu schwelen begann, dem Nationalismus. In den ersten Dezembertagen 1991, nachdem die Ukrainer mit überwältigender Mehrheit für die Unabhängigkeit ihres Staates gestimmt hatten, erfuhr Scherzer von ihnen, dass eine souveräne Ukraine für die Ukrainer und ihre russischen Brüder Freiheit bedeute.
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