14.08.2020

"Oli radelt!" mit Saalfelder Halt


Mit dem E-Bike über die Schwäbische Alb, Hof, Kulmbach und Bad Lobenstein gelangte am Mittwoch Oliver „Oli“ Trelenberg nach Saalfeld. „Leider bin ich an der falschen Stelle abgebogen, musste Bundesstraße fahren und habe deshalb den Blick auf das Thüringer Meer verpasst“, erläuterte Trelenberg gegenüber Bürgermeister Dr. Steffen Kania, der ihn vor dem Saalfelder Rathaus herzlich begrüßte. Am Donnerstag ging es dann weiter nach Jena, Magdeburg und Usedom, entlang der Ostseeküste bis Flensburg und schließlich über Hamburg und Hannover zurück nach Hagen/Westfalen – insgesamt 5 000 Kilometer im Zeitraum 6. Juli bis 26. September.

Seit 2015 ist Trelenberg mit dem Fahrrad in ganz Deutschland unterwegs und macht in den verschiedensten Städten Halt, um für den guten Zweck Spenden zu sammeln. Mit seiner Aktion „Oli Radelt“ sammelte er bisher 30 000 Euro – gerechnet ohne die Erlöse aus 2020. „Ich unterstütze jährlich wechselnde Projekte, um die Bekanntheit zu erhöhen und mein Projekt interessant zu halten“, sagt Trelenberg. Dabei steht insbesondere die Unterstützung von an Krebs erkrankten Personen im Mittelpunkt. Derzeit unterstützt er den Verein „Flying Hope e. V.“, der kostenlose Flüge für Kinder vermittelt, die aufgrund ihres geistigen, körperlichen oder seelischen Zustandes nicht auf normalem Wege transportfähig sind und selbst nicht die notwendigen Mittel dafür haben.

Doch warum nimmt man Tausende von Radkilometern auf sich? „Das Rad hält mich in der Spur des Lebens“, erklärt Oliver Trelenberg, der heute 54 Jahre alt ist und bereits einige Schicksalsschläge verarbeiten musste. Schief lief es bereits kurz nach seiner Geburt. Trelenberg erhält nicht das für eine gesunde Entwicklung notwendige Maß an Schutz, Aufsicht und Erziehung. Demütigungen, körperliche und psychische Gewalt sind in der Familie keine Seltenheit, und so wächst er gemeinsam mit zwei Geschwistern in desolaten Familienverhältnissen auf – eine Situation, die schon früh zu missbräuchlichem Alkoholkonsum führt. Es folgen Alkoholabhängigkeit, mehrmonatige Freiheitsstrafen, Obdachlosigkeit, zwei gescheiterte Ehen und Hilfsjobs. 2003 gelingt ihm die Kehrtwende und er kommt weg vom Alkohol. Allerdings ist sein Alltag im nüchternen Zustand nun geprägt von Depressionen, Traumatischen Störungen und einer Zwangserkrankung. Es folgen bis heute stationäre und ambulante Therapien. „2009 entdeckte ich für mich das Radfahren. Durch die regelmäßige Aktivität bemerkte ich immer häufiger einen positiven Einfluss auf meine seelische Gesundheit. Radfahren entwickelte sich zu meiner großen Leidenschaft“, beschreibt Trelenberg. Im gleichen Jahr erhält der gebürtige Westfalener dann die Schockdiagnose Kehlkopfkrebs. Insbesondere durch sein Hobby, das Fahrradfahren, schaffte es Trelenberg, diese schwierige Zeit zu meistern. Seitdem verbindet er seine Leidenschaft mit dem guten Zweck und gründete 2014 das Projekt „Oli radelt!“. Dabei fährt er auf seinem Rad durch alle größeren und kleineren Städte Deutschlands, sammelt dort Spenden für ausgewählte Projekte und vermittelt seine eigene Botschaft: „Man muss wieder selbst auf die Beine kommen, denn keiner hat die Zeit, dich an die Hand zu nehmen. Und Zeit muss sinnvoll genutzt werden.“

„Die Stadt unterstützt das Projekt sehr gerne. Die Verbindung aus privatem Schicksal, persönlicher Leistung und Spenden sammeln für einen guten Zweck ist wahrlich beachtlich und berührt“, verdeutlicht Bürgermeister Dr. Kania. Auf Bitte des Hagener Oberbürgermeisters stellte die Stadt dem karitativen Radler u. a. kostenfrei eine Unterkunft zur Verfügung.

Nach gut eineinhalb Stunden Plausch mit dem Bürgermeister sattelte Trelenberg schließlich zu seinem Nachtlager auf und sagt mit Blick auf sein Rad: „Ich kämpfe täglich mit den Langzeitfolgen meiner Krebserkrankung: Kurzatmigkeit, Mundtrockenheit und bei jedem Schluck Flüssigkeit und jedem Bissen die Gefahr zu ersticken, weil die Luftröhre nicht mehr verschlossen wird. Mein Fahrrad gibt mir Halt, es ist für mich mehr als nur ein Mittel um von A nach B zu kommen. Ich fahre wann immer ich dazu körperlich und gesundheitlich in der Lage bin – aus dem Sumpf der Erkrankung in ein halbwegs erträgliches Leben.“

Mehr Informationen unter Oli-radelt.de.