13.09.2019

Den ländlichen Raum nicht sterben lassen


Zum zweiten Saalfelder Dialogtag rückt das Thema gleichwertiger Lebensverhältnisse in den Fokus des Podiums

Saalfeld. Deutliche Worte fand Saalfelds Bürgermeister Dr. Steffen Kania zu den jüngsten Forderungen des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle, die Förderpolitik in Zukunft allein auf Großstädte zu beschränken: „Das ist ein Schlag ins Gesicht für die Arbeit, die wir im ländlichen Raum geleistet haben.“ Aus diesem Grund stand zum zweiten Saalfelder Dialogtag im Meininger Hof auch genau diese Frage im Zentrum: „Stadt und Land mit identischen Lebensverhältnissen oder gleichen Lebenschancen – mehr als eine Fiktion?“

Saalfeld sei ländlicher Raum, betonte Dr. Kania, dennoch glaube er nicht daran, dass die Stadt sterben werde: „Wir wollen den ländlichen Raum nicht sterben lassen.“

Dass mittlerweile auch die Bundespolitik erkannt hat, wie wichtig die Förderung des ländlichen Raums ist, beweist die Einrichtung der Kommission für gleichwertige Lebensverhältnisse unter Leitung des Bundesinnenministeriums. Die konkreten Ergebnisse stellte im Rahmen der Dialogtage Dr. Sabine Freye von der Erfurter Staatskanzlei vor, die allerdings einige Einschränkungen machte: „Die Ergebnisse der Kommission sind sehr allgemein formuliert. Konkrete Maßnahmen lassen sich daraus nur schwer ablesen.“ Gleichzeitig sprach sich Dr. Freye dafür aus, gleichwertige Lebensverhältnisse eher als dynamischen Prozess zu betrachten. Gleiche Lebensbedingungen überall in Deutschland seien illusorisch. Vielmehr müsse man sich an verändernde Rahmenbedingungen und regionale Unterschiede anpassen.

Ähnlich sah es auch Burkhardt Kolbmüller von der Leader-Aktionsgruppe Saalfeld-Rudolstadt, der zudem auch die Potenziale des ländlichen Raums betonte. So seien etwa die Lebenschancen von jungen Familien im ländlichen Bereich deutlich höher als im städtischen. „Auch die Stadt hat mit Problemlagen zu kämpfen, etwa mit der Mietpreisproblematik“, erklärte Kolbmüller. Auf dem Land müssten dafür andere Hindernisse überwunden werden, etwa infrastrukturelle Probleme oder den Breitbandausbau.

Aus dem Publikum wurde zudem die Schwierigkeit der Mobilität angesprochen. Hierzu erklärte Dirk Bergner als Geschäftsführer der Kombus, dass durchaus an neuen Konzepten für die Mobilität des ländlichen Raumes gearbeitet werde. „Wir schauen sehr genau auf neue Ideen“, erklärte Bergner.