05.03.2019

Eine neue Vision für die Alte Kaserne


Das Förderprogramm Kulturhanse macht Station in dem Saalfelder Wohngebiet in der Beulwitzer Straße. Insgesamt neun Initiativen aus Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt beteiligen sich an dem Programm, mit dem der ländliche Raum gestärkt werden soll.

Saalfeld. Der Saalfelder Wohngebiet „Alte Kaserne“ in der Beulwitzer Straße ist ein Quartier mit Perspektive, da ist sich Quartiersmanager Martin Spitzer sicher: „Hier leben insgesamt 17 Nationalitäten, 50 Prozent der Bewohner sind unter 27 Jahre alt.“ Ein Verhältnis, das es in keinem anderen Saalfelder Stadtteil gibt. Auch wenn das Wohnquartier unter besonderen Problemlagen leide, wie Spitzer ergänzt. So sei das Wohngebiet nach wie vor als Standort der Gemeinschaftsunterkunft stigmatisiert. Die Aufgabe für die Zukunft könne also nur lauten, das Quartier aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten: „Wir müssen das Quartier so entwickeln, dass die Menschen herziehen wollen.“

Einen neuen Blickwinkel gab es bereits am vergangenen Freitag. So führten Martin Spitzer, Hanka Giller, Leiterin des Amtes für Jugendarbeit, Sport und Soziales in Saalfeld und Christian Uthe vom Bildungszentrum Saalfeld Vertreter der Kulturhanse durch den Stadtteil. „Die Kulturhanse ist ein Programm des Vereins Erfurter Plattform, unterstützt durch die Schweizer Drosos Stiftung. Ziel des Programms ist es, jenseits der großen Städte in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wirtschaftliche Bleibeperspektiven zu schaffen“, erklärte Juliane Döschner von der Kulturhanse. Dieses Ziel solle durch die Zusammenarbeit mit und die Unterstützung von lokalen Partnerorganisationen beim Aufbau gemeinwohlorientierter Gründungslabore erreicht werden, fügte Döschner an. Aus diesem Grund seien bereits 2018 neun Partnerorganisationen aus Görlitz, Zittau, Löbau, Altenburg, Lauscha, Zeitz, Kalbe, Güsen und Saalfeld ausgewählt worden. Dabei sei es bewusst um Orte im ländlichen Raum gegangen, wie die studierte Politikwissenschaftlerin ergänzt: „Das Programm richtet sich an Organisationen abseits der großen Städte.“ Vor allem gehe es dabei um Orte, wo Visionäre und Initiativen in förderlichen Rahmenbedingungen Segel setzen können und etwa Co-Working Spaces, Werkstätten, Quartierläden oder Cafés aufbauen, Vereine oder Unternehmen gründen könnten.

Dabei gliedere sich das Programm in zwei Teile. In einem ersten Schritt gehe es vor allem um den Erfahrungsaustausch vor Ort, sagte Döschner. Über ein Jahr nehmen alle Organisationen an neun Workshops vor Ort teil. Ziel sei in einem zweiten Schritt der Aufbau sogenannter Gründungslabore, die den Ehrenamtlichen Strukturen an die Hand geben sollen, um Probleme zu lösen, wie etwa Wohnungsleerstand. „Der Austausch ist wichtig für uns. So lernen wir viele andere Akteure kennen. Und Saalfeld ist ein gutes Beispiel für andere, um zu zeigen wie solche Prozesse in die Stadtpolitik eingebunden werden“, ergänzte Christian Uthe.

So führte die Besichtigungstour durch das Wohngebiet an der Beulwitzer Straße unter anderem über die Fahrradwerkstatt auf dem Gelände der Gemeinschaftsunterkunft und an den geplanten Standort des Werkhauses. Das Werkhaus soll als Vision das Gründungslabor in die Realität überführen. „Mit lokalen Gewerken und im Selbstbau mit den Bewohnern sollen zukünftig neuartige Werk- und Freiräume entstehen. Die experimentelle städtebauliche Entwicklung der Brache soll den alten und neuen Nachbarn, aber auch den Kreativen aus der Region, neue Perspektiven für Beschäftigung, ehrenamtliches Engagement und Gründung eröffnen. Bisherige Gründungsideen reichen von Gastronomie im Stadtteil über klassische Werkstätten wie Schneiderei bis hin zur Fertigung von Tandoor-Öfen“, stellt sich das Projekt auf der Internetseite der Kulturhanse vor.