06.11.2018

Gute Chancen für Dorflinde in Arnsgereuth


Saalfeld/Arnsgereuth. Ausladend spannt sich die alte Linde direkt an der Ortsstraße in Arnsgereuth. Deutlich sind an dem Baum die Spuren der vergangenen Jahrhunderte zu erkennen. Graue Baumstümpfe ragen an den Stellen aus dem Stamm, wo bereits in der Vergangenheit Äste gekappt wurden. Baumuntypisch blitzen an einer Stelle die Backsteine der Mauer aus der Linde hervor, mit der der Hohlraum einst verfüllt wurde, um den Baum zu stabilisieren. Baumbegutachter Peter Nembach umrundet die Linde und begutachtet den Gesamtzustand des Baumes. "Ich prüfe unter anderem, ob sich Fäulnis an den Stämmen zeigt und wie die Grundsicherung des Baumes erfolgt ist", sagt Nembach.

Warum die Linde hohl ist, darauf hat der Arnsgereuther Wolfgang Christoph eine mögliche Antwort. 1806 zogen französische Truppen durch den Ort. "Die Soldaten haben ein Lagerfeuer entfacht, das sich zu nah an der Linde befand", erklärt Christoph, der das Alter der Arnsgereuther Linde auf 300 bis 350 Jahre schätzt.

Eine Zahl, der auch der Baumgutachter folgen kann, auch wenn sich das genaue Alter nicht mehr bestimmen ließe. Durch die Hohlräume im Inneren seien die Jahresringe, die eine genaue Bestimmung ermöglichten einfach verwittert. "Ein mögliches Datum wäre 1648 zum Ende des 30-jährigen Krieges", berichtet Nembach. Damals seien viele derartige Bäume gepflanzt worden.

Nachprüfen ließe sich das im Augenblick leider nicht, wie Christoph ergänzt. Die Unterlagen seien im Saalfelder Stadtarchiv bisher nicht auftaucht.

Darüber hinaus ging es zur Besichtigung ohnehin eher um die Zukunft und weniger um die Vergangenheit des 1,80 Meter Durchmesserbaumes, wie Stadtförster Alexander Krieck betont: "Wir wollen den Zustand des Baumes überprüfen. Wie weit reicht etwa die Fäulnis oder wie bruchgefährdet ist der Baum", erklärt Krieck. Grundsätzlich kann für die Linde in Arnsgereuth Entwarnung gegeben werden. Die Wurzeln sind solide. In solchen Fällen sei eine Linde immer zu retten, wie der Stadtförster betont. Der Baum könne verschnitten werden und treibe danach wieder problemlos aus. 

Ganz ohne Pflege werde der Baum allerdings nicht auskommen, wie Nembach anfügt. Dennoch lohne sich der Aufwand, besonders wenn wieder auf die Geschichte Bezug genommen werde. "Der historische Wert solcher Bäume ist meist höher zu bewerten als der ökologische", erklärt der Baumgutachter. Immerhin prägten die Jahrhunderte alten Bäume das Ortsbild in erheblichem Maße.

Neben der Linde in Arnsgereuth werden auch Bäume in Bernsdorf, Burkersdorf, Dittrichshütte, Lositz, Wickersdorf, Wittgendorf, Wittmannsgereuth und Witzendorf überprüft.