06.08.2018

Kampf gegen die Ungewissheit


280 Mitarbeiter bangen ohne Renovierung des Saalfelder Marktkaufes um Existenz

Saalfeld/Saale. „Wir haben Angst um den Arbeitsplatz und die Familie. Im Endeffekt sind rund 1 000 Menschen von der Entscheidung des Landratsamtes Pro oder Contra Marktkauf betroffen. Ein Großteil von uns sind Mitarbeiter der ersten Stunde. Damit ist gut die Hälfte 50plus und die sehen bei einer Schließung natürlich wenig Perspektive auf dem Arbeitsmarkt. Hier wird nach Tarif bezahlt und auch deshalb wollen wir hier bis zur Rente arbeiten. Die Ungewissheit ist das Schlimmste und vor allem, wer sagt es meinen Kollegen, wenn es nicht weitergeht. Der Landrat bestimmt nicht.“ Kurz und knapp verdeutlichte Betriebsratsvorsitzende Christina Eschrich gemeinsam mit Vertretern des EDEKA-Verbundes so die aktuelle Lage im Saalfelder Marktkauf gegenüber MdB Dr. Albert Weiler, MdL Maik Kowalleck und Bürgermeister Dr. Steffen Kania am vergangenen Freitag vor Ort.

Das Marktkauf-Center wurde in 1993 realisiert und ist auf Versorgungseinkauf auslegt. „In 2019 steht das 25-jährige Jubiläum an und der Standort verharrt im Dornröschenschlaf der 1990er. Die Investitionen von 23 Mio. Euro, auch in die sog. energetische Erneuerung, d. h. in dringend notwendige, nachhaltige Gebäudetechnik, sollen ein Zeichen für Aufbruch und Vertrauen in die Region sein sowie Schließungen und Abwanderungen entgegenwirken. Mit einem modernen Hybridcenter, zeitgemäßen Betreiberkonzept und umstrukturierten Bestandsortimenten reagieren wir auf Kundenbedarf und verändertes Käuferverhalten. Dem Kunden muss der alte Treffpunkt ‚Marktkauf‘ wiedergegeben werden, die soziale Komponente des Einkaufens. Dafür soll im Zentrum des Marktes ein Food-Court entstehen, der zur Begegnung einlädt. Wir möchten, dass die Einwohner des Städtedreiecks nach wie vor ein modernes Einkaufserlebnis behalten und nicht zukünftig deswegen nach Erfurt, Jena oder Weimar fahren müssen. Zudem sind E-Tankstellen für Pkw und Fahrräder eingeplant“, erläuterte Peter Gerlach, Geschäftsführer der Eigentümervertreterin CEV Handelsimmobilien GmbH. Mit Blick auf die derzeit laufenden Außenarbeiten fügte David Volkert, Referent Public Affairs bei der Eigentümerin hinzu: „Es war zwar zunächst anders geplant, aber wegen der bisherigen Differenzen wird zunächst der Parkplatz neugestaltet. Insbesondere der Untergrund musste angefasst werden. Mit neuen Wasser- und Abwasserleitungen reagieren wir auf die gestiegene Zahl an Starkregenereignissen und verhindern so, dass unsere Gebäude mit Regenwasser geflutet werden.“

Bereits seit 2015 laufen die Planungen für technische und energetische Erneuerungen sowie die Schaffung eines modernen Erscheinungsbildes des Centers. Nochmals verdeutlichte die Eigentümervertreterin, dass es um eine Umstrukturierung der Gebäude in adäquate Flächen für moderne Betreiberkonzepte am Standort ginge. Es sei keine Erweiterung des Standortes vorgesehen, sondern es gehe um Sortimentsverschiebungen innerhalb des Gebäudebestandes. Man spreche deutlich von einer Revitalisierung des Marktkauf-Areals und Anpassung an das Jahr 2018. Aktuell befinde man sich mitten im Anzeigeverfahren nach Baugesetzbuch und das Landratsamt prüfe die Anzeige der Stadt zum geänderten Bebauungsplan.

„Die Fakten sprechen dagegen, dass Interessen der Nachbargemeinden betroffen sind und daher ist es ausgenommen wichtig, dass hier 280 Arbeitsplätze erhalten bleiben. Es geht hier auch nicht nur um Stellen, sondern vielmehr um knapp 300 Familien, die von der Standortentscheidung betroffen sind“, bekräftigte MdB Dr. Weiler und versprach, „sich persönlich für eine positive und zügige Entscheidung des Landkreises einzusetzen.“

„Der Marktkauf hat die Standortentwicklung am Mittleren Watzenbach positiv beeinflusst und ist ein Leuchtturm für das hiesige Gewerbegebiet“, bekräftigte Kowalleck und Bürgermeister Dr. Kania ergänzte: „Das Fachmarktzentrum Saalfeld mit dem Marktkauf als zentralem Anker erfüllt seit 25 Jahren seine Versorgungsfunktion für Saalfeld und die umliegenden Ortschaften. Das Center ist eine wichtige Ergänzung zum Erlebniseinkauf Innenstadt. Nicht zuletzt hat dies auch der Werbering vor Jahren bereits genauso erkannt.“

„Sollte die Anzeige nicht schnell beanstandungslos die Kreisbehörde passieren, ist der Standort Saalfeld deutlich gefährdet. Neben dem Wertverlust für die Region sind Einkommens-, Attraktivitäts- und Steuerverluste die Folge. Wir sind es Kunden sowie Mitarbeitern und deren Familien schuldig, in ein modernes Einkaufserlebnis und zukunftssichere, zeitgemäße Arbeitsplätze zu investieren. Seit Jahren ist keine langfristige Planung mehr möglich. Wir brauchen Vertragssicherheit für die Mieter und Arbeitsplatzsicherheit für unsere Mitarbeiter“, stellte Saalfelds Marktkaufleiter Christopher Kade deutlich heraus.

MdL Kowalleck und Saalfelds Bürgermeister Dr. Kania machten zum Abschluss aus ihrer einmütigen Sichtweise keinen Hehl: „Die Entscheidung zum Marktkauf muss in der Stadt bleiben, so wie auch die Entscheidung zum Umbau des Kauflandes in Schwarza in der Stadt Rudolstadt geblieben ist.“ Auch Rudolstadt profitiere von einem modernisierten Marktkauf. Nicht zuletzt käme eine nicht zu verkennende Anzahl an Kunden und Mitarbeitenden von ebendort.