23.06.2018

Enge Verbindung und bewegte Zeiten


Kulmbacher und Saalfelder begingen 30 Jahre Städtepartnerschaft

Anfang Juni hatte Bürgermeister Matthias Graul zum Festempfang in die Villa Bergfried geladen, um mit Vertreten aus Politik, Ehrenamt und Gesellschaft das 30-jährige Jubiläum der herzlichen Städtepartnerschaft Saalfelds mit dem oberfränkischen Kulmbach gebührend zu begehen und nicht zuletzt auch zu feiern.

Bereits am Nachmittag war die Kulmbacher Delegation, der Vertreter des Stadtrates, der Stadtverwaltung, der befreundeten Vereine und Verbände, der Feuerwehr und der Stadtkapelle Kulmbach angehörten, an den Saalfelder Feengrotten von Geschäftsführerin Yvonne Wagner willkommen geheißen worden. Im Anschluss an schokoladene Überraschungen und leichte Erfrischungen erläuterte Saalfelds Tourismuschefin die Geschichte des Schaubergwerks, ging dabei auf die kürzlich erfolgte Prädikatisierung Saalfelds als „Ort mit Heilstollenkurbetrieb“ ein, führte durch das Grottoneum und zeigte den Gästen die Neuheiten des Feengrottenparks. Mit einer Führung durch das Schaubergwerk und der Weiterfahrt zum Bergfriedensemble endete der Nachmittag.

Den Auftakt des abendlichen Empfangs bildete der Sektempfang im Schmuckhof, welcher vom Bläserensemble der Saalfelder Musikschule musikalisch umrahmt wurde. Die Klangwelt zwischen den Reden, während des Festbuffets mit Thüringer Köstlichkeiten und bis zum Ende des sommerlichen Abends gestalteten die „Jazzenden Lehrer“.

In seiner Festrede stellte Bürgermeister Graul fest, dass die thüringisch-fränkische Städtepartnerschaft eine beachtliche Zeit währe und in drei Jahrzehnten zu einer Städtefreundschaft gedieh. „Dies ist zwar auch der Verdienst von offiziellen Amtsträgern der beiden Städte. Es ist aber vor allem der Verdienst derjenigen, die sich während dieses langen Zeitraumes für Begegnungen zwischen den Menschen aus unseren Städten eingesetzt haben – für gegenseitige Besuche, für gegenseitiges Kennenlernen, das sich in manchen Fällen zu ganz engen persönlichen Bindungen und Freundschaften weiterentwickelte.“

Graul verwies darauf, dass viele Vereine und Gruppen beispielhaft für dieses Engagement stehen. Er dankte besonders den Foto-Amateuren, den Wanderern und den Motorveteranenfreunden, die seit vielen Jahren gemeinsame Unternehmungen gestalten. Nicht anders verhielte es sich bei den Feuerwehren Saalfelds und Kulmbachs. „Besonders freut mich, dass sich in den Wehren auch die Jugend für die Partnerschaft mit engagiert. Denn unsere Partnerschaft hat nur dann eine Zukunft, wenn wir junge Menschen für sie gewinnen und begeistern können“, bekräftigte Graul.

Eine von Bürgern getragene Städtepartnerschaft sei heute in Deutschland und Europa selbstverständlich: „Gott sei Dank erscheint es uns so. Viel zu schnell haben wir vergessen, dass Deutschland und Europa noch bis vor einigen Jahrzehnten zwischen Nationen geteilt waren, die sich in politisch feindlich gesinnten Blöcken gegenüberstanden. Die Anfänge unserer Städtepartnerschaft spiegeln diese Situation eindeutig wieder. Bevor am 30. September 1988 Kulmbachs Oberbürgermeister Dr. Erich Stammberger und Saalfelds Stadtoberhaupt Bernd Franke die Urkunden über die Begründung unserer Städtepartnerschaft unterzeichnen konnten, waren zunächst einige systemimmanente Hürden zu nehmen.“ Es bedurfte einst des Einsatzes von Franz-Josef Strauß beim Besuch von DDR-Staatschef Erich Honecker 1987 in Bonn, um ein Jahr später die Städteverbindung durch den „Eisernen Vorhang“ hindurch zu ermöglichen. Matthias Graul betonte die erhebliche Hilfe, die Kulmbach der Stadt Saalfeld/Saale u. a. beim Aufbau der kommunalen Selbstverwaltung und der Sparkasse leistete: „Moderne Strukturen wurden aufgebaut und die Zusammenarbeit von Schulen, Wohlfahrtsverbänden, Vereinen und Organisationen entwickelte sich. Entscheidend dabei war, dass Kulmbach nicht belehrend oder von oben herab agierte, sondern stets partnerschaftlich und auf Augenhöhe.“ Bedeutsamstes Glied in der Kette waren die zwei Freundeskreise aus Saalfeld und Kulmbach, die sich am 3. Oktober 1990 in Falkenau an der Grenze zwischen Thüringen und Bayern vereinigten. Bis Mitte der 1990er Jahre prägte zudem die persönliche Freundschaft der Bürgermeister Dr. Erich Stammberger und Richard Beetz die Beziehungen zwischen Kulmbach und Saalfeld nachhaltig.

Neben allen Dankesworten nutzte Matthias Graul die Feierstunde aber auch für einen kritischen Appell, die Städtepartnerschaft in Zukunft wieder mit (mehr) Leben zu erfüllen, nachdem er die Städtepartnerschaft mit einer Heirat verglichen hatte, die über Routine zu einer glücklichen Ehe oder Scheidung führen kann: „Seit vielen Jahren gehen wir routiniert mit unserer Städtepartnerschaft um. Vielleicht zu routiniert für eine glückliche Ehe? Wir Stadtoberhäupter und Kommunalpolitiker aus beiden Städten stehen in der gemeinsamen Verantwortung und Pflicht, die Idee dieser Partnerschaft so zu unterstützen, dass unsere Bürgerinnen und Bürger motiviert werden, hierbei mitzutun. Wir müssen sie auffordern und ermutigen, auf diesem Wege und den Gedanken der Gründerväter folgend weiterzumachen. Stärken wir unsere Partnerschaft im Freundeskreis Saalfeld-Kulmbach, in den verschiedenen aktiven Vereinen und in den sozialen Netzwerken. Nutzen wir möglicherweise wieder verstärkt den Austausch von Verwaltung und Schulen.“

Kulmbachs Oberbürgermeister Henry Schramm blickte auf „30 freundschaftlich verbundene Jahre“ zurück: „In den letzten drei Jahrzehnten unserer Städtepartnerschaft fanden zahlreiche Umwälzungen statt. Wer dachte beim Unterzeichnen im September 1988 daran, was ein Jahr darauf passieren würde?“ Er sprach weiter von einer bewegten Zeit. „Wir befinden uns heute wieder in einer Phase politischer Veränderungen. Leider, wie ich meine, nicht immer zum Guten. Es scheint eine gewisse Sehnsucht nach starken Führungspersönlichkeiten zu geben, die mit ihrem teilweise unsensiblen Vorgehen, die Welt ins Wanken bringen. In Ost-Deutschland kämpften damals viele couragierte Menschen für das kostbare Gut der Freiheit und der Demokratie. Leider, so ist es zumindest mein Eindruck, wird gerade von vielen auch bei uns in Deutschland Demokratie nicht mehr geschätzt. Ein politisches Wertesystem, das ins Wanken gekommen ist“, bedeutete Kulmbachs Stadtoberhaupt nachdenklich.

Schramm ging zudem auf den bevorstehenden Wechsel im Saalfelder Bürgermeisteramt ein: „Ich danke meinem Amtskollegen Matthias Graul für unsere stets positive Beziehung. Unsere Treffen waren herzlich und unsere Partnerschaft sehr wertvoll. Umso mehr wünsche ich mir auch mit seinem Nachfolger eine erfolgreiche Zusammenarbeit.“ Anknüpfend an Grauls Kritik zur Rolle der Städtepartnerschaft forderte Kulmbachs Oberbürgermeister ebenfalls alle auf, die Partnerschaft Kulmbach-Saalfeld künftig lebendig zu erhalten. „Eines ist klar: Urkunden und Stadtratssitzungen, Ehrungen und Reden sind das eine. Das andere sind die Menschen da draußen, die diese Freundschaft in ihren Herzen tragen, diese leben und immer wieder zum Leben erwachen lassen.“

Der Austausch der Jubiläumsgeschenke markierte das Ende des offiziellen Empfangsteils. Bei eingängigen Jazz-Melodien und guten Gesprächen klang der Abend aus. Auf einer großen, von Kulmbach vorbereiteten Tafel, die jetzt im Saalfelder Rathaus hängt, verewigten sich vor der Verabschiedung alle Festgäste für die Nachwelt.