18.01.2016

Willkommenskultur als ewige Baustelle


Werkstatt "Zukunftsstadt" diskutiert dynamischen Masterplan für Gorndorf, Beulwitz und Schwarzburg

In „lockerer Runde“ begrüßte Moderator Didi Bujack zum siebenten Workshop „Lust auf Zukunft“ im Saalfelder Bürger- und Behördenhaus. Etwa 50 Teilnehmer kamen am 14. Januar zur Zwischenpräsentation der Ergebnisse aus 40 Collagen und Interviews zur Entwicklung der Gebiete Beulwitz-Alte Kaserne, Gorndorf und Schwarzburg.

Vizebürgermeisterin Bettina Fiedler dankte den Akteuren einer „neuen Form der Bürgerbeteiligung“ und versprach, dass die Resultate in jedem Fall in die Stadtplanung mit einfließen werden. „Im Vordergrund steht heute dennoch das Projekt Zukunftsstadt und die Entwicklung der Vision ‚Willkommenskultur 2030+‘ für unsere Stadt“, so die Erste Beigeordnete.

Im Anschluss gaben Zukunftsstadt-Koordinatoren Hanka Giller und Sebastian Heuchel einen Rückblick auf erste Stadtteilbegehungen sowie die Autofotographie-Aktion mit Collagenerstellung und Interviews im Herbst 2015. Besonderer Fokus lag auf den Stadtteilrallyes in Beulwitz und Gorndorf. Kinder- und Jugendliche erkundeten Stärken und Schwächen der Stadtteile, befragten Einwohner und stellten ihre „Zukunftswiese“ nach Auswertung im Kinder- und Jugendausschuss vor. Alle Ergebnisse verarbeiteten Studenten der Fachhochschule (FH) Erfurt zu ersten Ideen für einen dynamischen Masterplan, einem Planungsinstrument zur Stadtentwicklung, das eine weitere Dimension kennt: Die Zeit. „D. h., wenn etwas nicht klappt, dann darf man es auch sein lassen und den Plan fortentwickeln“, verdeutlichte Heuchel. „Im Anschluss an eine erste Präsentation Mitte Dezember wurden unsere anfänglichen 48 Ideen allein für Gorndorf auf 22 Ansätze reduziert, konkretisiert und fokussiert“, so einer der Studenten.

In drei Gruppen diskutierten Teilnehmer und Akteure gebietsbezogen die Ansätze in Workshops dann weiter. „Bleiben wir weiter allgemein, dann geht nichts los“, bekräftigte Giller. Für Gorndorfs Vision erarbeiteten die Erfurter Studenten Entwicklungen für einen Mehrgenerationenpark, eine „Stadtteil-Expo“ und eine Zwischennutzung des „Sokolov“. Die Suche nach einem Standort für den Mehrgenerationenpark dauert zwar noch an, doch die Stadtteilbewohner werden bereits in diesem Frühjahr aktiv: Sitzgruppen an Spielplätzen, Hochbeete und portabele Sitzgelegenheiten nach dem Prinzip „Selbermachen“. Im „Sokolov“ ist ein Sommerkino geplant. In Beulwitz-Alte Kaserne spielen die Imageaufwertung durch die Entstehung eines gewerblichen Kreativhofes für Online-Handel, Fahrräder und Näh- und Modestudios sowie eine liebenswertere Wohnumfeldgestaltung mit Sport- und Spielangeboten eine wichtige Rolle. Beide Gebiete eint, so die Meinung der Studenten, dass ein Quartiersmanager notwendig ist. Neben dem „Denkort für Demokratie“ am Schloss sieht die Schwarzburg-Gruppe Potential in der Entwicklung des Forstbotanischen Gartens der ehemaligen Forstfachschule hin zu einem Bildungs- und Naherholungsort.

Kein eigener Handlungsstrang sondern eher zur Kommunikation soll eine „Stadtteil-Expo“ dienen. Ursprünglich nur für Gorndorf gedacht, kamen die Werkstattbesucher am Ende zum Schluss, dass die Idee für ganz Saalfeld und insgesamt für die Region von Nutzen sei. Angelegt wie die Weltausstellung könnte jährlich ein Stadtteilfest mit wechselnden Gastgeberstadtteilen, Ausstellungen zu Stadtteilen, Workshops und Aktionspavillons stattfinden. „Zum Schwarzburger Aktionstag ‚Sommerfrische‘ am 27. August wäre bereits ein historischer Sonderzug zur Unterstützung der Idee möglich“, zeigte Sebastian Heuchel auf.

Bevor im Februar die Endergebnisse vorgestellt und am 17. März zur Abschlussveranstaltung „Zukunftsstadt“ der Öffentlichkeit präsentiert werden, sind jetzt Erfurts Studenten wieder am Zug, ihren Masterplan zu verfeinern. Allen Mitwirkenden gab  Hanka Giller am Ende des Workshops dennoch mit: „Willkommenskultur wird eine ewige Baustelle sein.“