30.07.2015

Gorndorf und Beulwitz im Fokus


"Zukunftsstadt" Saalfeld stellt Projektweichen bis März 2016

Seit April ist Saalfeld „Zukunftsstadt“. Saalfelder vor Ort ins Gespräch über die Zukunft ihrer Stadt bringen, gemeinsam neue Ideen entwickeln und querdenken sind die Ziele des Projektes. Am Ende soll die Vision „Willkommenskultur 2030+“ stehen.

Jetzt trafen sich Stadtentwickler aus Wissenschaft und Praxis, um erste Arbeitsschritte und Meilensteine zu planen. Für Professor Wolfgang Rid von der Fachhochschule Erfurt sowie Dr. Celina Kress von der Agentur [BEST] projekte für baukultur und stadt ging es mit Vertretern aus Verwaltung, Bildungszentrum, Diakonie und SRB scheinbar zunächst nur um Formate, Methoden und Verantwortlichkeiten. Schnell wurde jedoch klar, welchem Problem „Zukunftsstadt“ begegnen soll: Zum einen der „Vergreisung“ Gorndorfs – bereits heute sind 31 Prozent der Bürger 66 Jahre und älter – und zum anderen dem steigenden Migrationshintergrund in Beulwitz (Alte Kaserne), der aktuell 46,1 Prozent der Einwohner ausmacht. Teil der Untersuchungen ist auch Schwarzburg als ländlicher Sozialraum.

„Wir brauchen teils völlig neue Sichtweisen auf Gorndorf und Beulwitz. Bürger müssen aktiviert und neue Wege in den Verwaltungen gesucht werden“, beschreibt Hanka Giller, Leiterin Jugendarbeit, Sport, Soziales, die Erwartungen und Celina Kress ergänzt: „Wo liegen die Ressourcen? Wie erleben wir unsere räumliche Umwelt?“ Mit einer ersten Begehung in Beulwitz und Gorndorf brachten sich Wissenschaft und Praxis auf den gleichen Kenntnisstand.

Ab Herbst dieses Jahres können sich Saalfelder an Lebensweltanalysen mit Autofotografie, Interviews und weiteren Begehungen beteiligen. Am 8. September findet die nächste Werkstatt „Lust auf Zukunft?!“ mit den Schwerpunkten Willkommenskultur und Beteiligung statt. „Ende September ist eine ganztägige Werkstatt für Jugendliche und im Oktober/November werden die thematischen Untersuchungen mit Erfurter Studenten fortgeführt und durch visualisiert. Etwa ab Januar 2016 sind Ganztagsworkshop zur Ergebnispräsentation geplant, die dann zur gemeinsamen Erarbeitung der Zukunftsvision 2030+ führen“, erläutert Gesamtkoordinator Sebastian Heuchel und sagt weiter: „Im ersten Quartal 2016 werden die Erkenntnisse festgehalten, sodass wir uns für die Phase 2 bewerben können. Eine Fachveranstaltung zum Abschluss der ersten Phase und Vorstellung der Vision 2030+ ist dann für März 2016 geplant.“ Ein Zukunftsstadtteam aus Stadt, Demografie-Management, Fachhochschule Erfurt, Humboldt-Universität und Partnern aus der Zivilgesellschaft bereitet diese Schritte vor.

Markant ist, dass erneut taucht das Motto: „Lust auf Zukunft?!“ auftaucht. Dies kommt nicht von ungefähr, will man doch zum Ausdruck bringen, dass „Zukunftsstadt“ mit anderen Projekten bzw. Netzwerken verknüpft ist u. a. mit Arbeitskreis Willkommenskultur, Partnerschaften für Demokratie sowie der Veranstaltungsreihe „Lust auf Zukunft?!“.

Saalfeld ist eine von bundesweit 52 geförderten Zukunftsstädten in Phase 1. Bürger sollen gemeinsam mit Stadtpolitikern, Verwaltung, Wissenschaftlern und Wirtschaftsvertretern eine nachhaltige und umfassende Vision für ihre Kommune entwickeln. In einer zweiten und dritten Phase, in den Jahren 2016 bis 2018, soll die Vision mit Konzepten weiterentwickelt und anschließend umgesetzt werden. Lokale Träger sind die Stadt Saalfeld in Kooperation mit dem Landratsamt Saalfeld-Rudolstadt.

Der Wettbewerb „Zukunftsstadt“ ist die zentrale Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung im Wissenschaftsjahr 2015 und Teil der Nationalen Plattform Zukunftsstadt (NPZ). Das Ministerium fördert quer durch Deutschland Bürgerdialoge zur zukünftigen Stadtentwicklung. Dabei werden u. a. eine neue Forschungs- und Innovationspolitik konzipiert, die Zusammenarbeit Wissenschaft und Praxis gefördert, tragfähige Ergebnisse entwickelt und Transformationsprozesse in Kommunen begleitet.