03.09.2018

Tag des offenen Denkmals 2018


"Entdecken, was uns verbindet"

Faltblatt zum Denkmalstag

 

Am 9. September 2018 ist wieder der Tag der Tage für ganz unterschiedliche Entdeckungsreisen in die Geschichte der Steinernen Chronik Thüringens. Der diesjährige Tag des offenen Denkmals steht bundesweit unter dem Motto „Entdecken, was uns verbindet”. Das 2018er Motto bezieht sich dabei explizit auf das Europäische Kulturerbejahr 2018 „Sharing Heritage”.

Marmor aus Italien, Farbpigmente aus dem Orient, Fliesen aus Delft – dies sind nur einige Beispiele für besondere, teilweise exotische Materialien, die über Ländergrenzen und Sprachbarrieren von Baumeistern und Künstlern nicht nur wegen ihrer herausragenden Qualität genutzt wurden, sondern zugleich eindrucksvoll den Reichtum, Geschmack und die Weltgewandtheit ihrer Besitzer und verarbeitenden Künstler belegen. Baukulturelles Erbe ist damit oft gleichzeitig lokal, europäisch und international und verbindet Stadt und Land mit der Welt. Ein gutes Beispiel hierfür ist Saalfelds barocke Schlosskapelle, die u. a. von italienischen Künstlern gestaltet wurde.

Zum diesjährigen Denkmaltag öffnen in der Feengrottenstadt 22 Denkmale Tür und Tor für Besucher und Gäste. Mit dabei sind neben den Kirchen der Saalfelder Höhe und den Mühlen in Dittrichshütte und Wickersdorf auch die restaurierte Orangerie im Schlosspark, der ehemalige Brauereikeller der Dampfbrauerei sowie viele bekannte Gesichter der letzten Jahre u. a. Villa Bergfried, Hutschachtel, Stadtmuseum, Mellestellen und Schraubenfabrik.

Tipp I: Für alle, die entdecken wollen, was uns mit der Natur verbindet, empfiehlt sich die Hin- und Rückwanderung Markplatz-Mellestollen mit Wanderführer Ingo Götze.

Tipp II: Alle, die entdecken wollen, wie sich Architektur mit Musik verbindet, empfängt Carillonneur Knut Schieferdecker anlässlich seines 35-jährigen Schaffensjubiläums zu drei Konzerten am Carillon der Villa Bergfried.

 

Startschuss

Den zeremoniellen Startschuss in den Denkmaltag gibt die Privilegierte Schützengesellschaft Saalfeld a. S. 1446 um 09:45 Uhr mit Salutschüssen auf dem Rathausbalkon.

 

Denkmale nostalgisch erreichen

2018 ist die KomBus erneut Partner des Saalfelder Denkmaltages. Auf Rundfahrten mit dem Oldtimerbus Fleischer S5 RU können die geöffneten Denkmale „mit Nostalgie pur“ erreicht werden. Der 85 PS-Oldtimer (Baujahr 1972) mit einer Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h verfügt über 41 Sitzplätze.

Die Rundfahrten sind nicht kostenfrei und führen 12 Uhr, 14 Uhr und 16 Uhr ab Markt/Anker über Dittrichshütte und Wickersdorf zurück auf den Saalfelder Marktplatz.

 

Musik zum Denkmaltag

Turmblasen

Das Turmblasen des Posaunenchores Graba eröffnet den Reigen der musikalischen Denkmale gegen 11:00 Uhr (nach der Andacht in der Johanneskirche) auf dem Darrtor.

Kleine Chorreise

 

Tour Cantores Iuvenes:

  • 13:30 Uhr Gertrudiskirche
  • 14:30 Uhr Orangerie
  • 15:30 Uhr Bierkeller Bohnstraße 
  • 16:30 Uhr Villa Bergfried

Singendes, klingendes Schlösschen

Saalfelds Musikschule präsentiert sich vielfältig. Der Start erfolgt um 10 Uhr mit einem Eröffnungskonzert. Im Anschluss gibt es anlässlich des Tag des offenen Denkmals einige musikalische Klangerlebnisse. Das musikalische Schlösschen ist den ganzen Tag geöffnet. 

35 Jahre Carillonneur Knut Schieferdecker

Knut Schieferdecker bringt das älteste erhaltene Carillon Deuschlands an drei Konzerten (14 Uhr, 15:30 Uhr und 17 Uhr) im Park der Villa Bergfried zum Klingen.

1393. Abendmotette an der Johanneskirche - Abschlusskonzert mit Chormusik

Der Chor „La Dolce Vita Sokolov“ singt geistliche und weltliche Chorliteratur. Das Repertoire des in 2000 gegründeten, jungen und musikbegeisterten Ensembles mit Sopran, Alt, Tenor und Bass ist breit gefächert und umfasst sakrale und alte mittelalterliche Musik, Gospelsongs, Volkslieder, Weihnachtslieder, Lobgesang sowie Pop in modernen Arrangements. 

Johanneskirche, 18 Uhr. Der Eintritt ist frei - um Spenden wird gebeten.

 

Denkmaltag und „lebendiges Wassers“

Kunst und Architektur sind immer Zeugnisse sozialer Beziehungen. Wenn sich Besucher am Tag des offenen Denkmals auf den Weg machen, zu „entdecken, was uns verbindet”, begeben sie sich zugleich auf eine Forschungsreise zu sich selbst und ihrer ganz persönlichen Vergangenheit. Wenn wir „entdecken, was uns verbindet”, wächst unser Verständnis auch für das vermeintlich Andere.

Nicht von ungefähr sind zum Denkmaltag Jahr für Jahr Saalfelds Kirchen geöffnet. Die Jahreslosung 2018 aus Offb. 21,6 lautet: „Ich will den Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ An die zentrale Botschaft des „lebendigen Wassers“ knüpft der Kirchenkreis Rudolstadt-Saalfeld mit einer umfassenden Aktion am (Sonn)Tag des offenen Denkmals an. An diesem Tag finden in allen Kirchen und Kapellen um 10 Uhr Andachten mit dem Schwerpunkt „Taufe“ statt. Die Einladung zur und Erinnerung an die Taufe ist das, was Christen und Kirchen konfessionsübergreifend verbindet.

Getaufte und ungetaufte Menschen sollen am Denkmalstg einen Zugang zu Taufe und „lebendigem Wasser“ finden und entdecken, was Getaufte und Ungetaufte in Kirche miteinander verbindet. OTZ-Redakteur Martin Hauswald – bekennend kirchenfremd – kommentierte so: „… Viele Kirchen, egal ob in der Stadt oder auf dem Dorf prägen immer noch das Stadtbild. Sie sind nicht nur Ausdruck früherer sozialer Verhältnisse als noch fast jeder in die Kirche ging. Sie sind vor allem Ausdruck der Lebensleistung früherer Generationen und was sie uns hinterlassen haben. Damit stellen Kirchen einen wichtigen Bestandteil der Identifikation mit unserer Vergangenheit dar. …“

 

100. Jahrestag von Kriegsende und Revolution 1918

Das 2018er Denkmaltagmotto „Entdecken, was uns verbindet” lässt einen Bogen anhand geschichtlicher Jahreskennzahlen spannen. Überregionale oder sogar europaweite Auswirkungen eines bestimmten Ereignisses spiegeln sich oft in der kulturellen Entwicklung Saalfelds wider. Eines dieser bedeutenden historischen Ereignisse fand im Jahr 1918 statt: Vor genau 100 Jahren endete der Erste Weltkrieg für Deutschland mit einer militärischen Niederlage und dem Sturz der Monarchie(n). Aus den Umwälzungen der Novemberrevolution ging die erste deutsche Republik hervor. Zum historischen Gedenken zeigt das Saalfelder Stadtmuseum ab 9. September eine Doppelausstellung.

 

Teil I: Zeitenwende im Herzogtum Sachsen-Meiningen –

Personen und Ereignisse im Umfeld des Endes der Monarchie 1918

In Meiningen warf die Zeitenwende bereits 1914 ihre Schatten voraus: Ein großer Herzog starb hochbetagt. Einer, der sich nicht nur als Theaterherzog europaweit einen Namen gemacht, sondern auch sein Land zu einem liberalen Musterstaat umgebaut hatte. An dem Tag, als Georg II. auf dem Meininger Stadtfriedhof begraben wurde, fielen die Schüsse von Sarajevo, die gemeinhin als Auslöser des Ersten Weltkrieges gelten. Endlich gelangte der als der „ewige Kronprinz“ bekannte Bernhard III. von Sachsen-Meiningen an die Regentschaft, nur um sie wenige Wochen später pro forma an seine wegen ihrer Kapriolen nicht gerade beliebte Frau zu übergeben. Er selbst ging an die Front, um Truppen zu inspizieren. Auch mit dem erlassenen Befehl, das Hoftheater und die Hofkapelle aufzulösen, machte er sich keine Freunde und musste sich bald davon distanzieren.

Mit der Zeitenwende von 1918 ging eine jahrhundertealte Ordnung zu Ende. Das Herzogtum Sachsen-Meiningen hörte, wie alle anderen deutschen Fürstenstaaten, auf zu existieren. Die Stadt Saalfeld/Saale war da bereits 50 Jahre Kreisstadt im Herzogtum. Im Gegensatz zu manch anderem Staat blieb es jedoch in Sachsen-Meiningen ruhig, da der hiesige Arbeiter- und Soldatenrat über keine weiterführenden landespolitischen Ambitionen verfügte.

Dem Architekten und Präsidenten des alten Landtages, Eduard Fritze, gelang es, die Phase eines gefährlichen Interregnums kurz zu halten. Er berief auf eigene Verantwortung zwei Tage nach der Abdankung Bernhards III. einen Landtag für den 12. November 1918 ein. Auf diesem trat das alte Kabinett unter dem Vorsitz von Karl Schaller zurück, nachmittags unterzeichnete auch der Thronfolger Prinz Ernst die Abdankung und in den Abendstunden wurde bereits die Übergangsregierung unter dem Vorsitz von Ludwig Freiherr von Türcke bestellt. Diese Regierung wurde auch nach den Wahlen von 1919 beibehalten und ging als Sachsen-Meininger Gebietsvertretung in der Regierung des neu gegründeten Thüringer Landes auf.

Die Wanderausstellung der Meininger Museen gibt einen Einblick in diese alles umstürzende Zeit vor 100 Jahren.

 

Teil II: Für Freiheit und Republik!

Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold 1924 bis 1933

Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Bund der republikanischen Kriegsteilnehmer e. V., wird nach den schweren politischen Unruhen des Jahres 1923 als parteiübergreifende Organisation zum Schutz der Weimarer Republik gegründet. Anders als der Wehrverband Stahlhelm oder der Rote Frontkämpferbund engagieren sich seine Mitglieder nicht gegen sondern für die noch junge deutsche Demokratie. Der Verband will eine demokratische und republikanische Staatsgesinnung in der Bevölkerung verankern. Erklärtes Ziel ist die Festigung der Republik und die Achtung der Verfassung. Schnell entwickelt sich das Reichsbanner zu einer Massenorganisation mit bis zu drei Millionen Mitgliedern.

Nach dem Wahlerfolg der Nationalsozialisten 1930 verstärkt das Reichsbanner seinen Einsatz gegen die nationalsozialistische Gewalt und schließt sich Ende 1931 mit Gewerkschaften, SPD und Arbeitersportorganisationen zur Eisernen Front zusammen. Doch mit der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 ist die Niederlage der Republikaner besiegelt. Das Reichsbanner wird verboten, seine Aktivisten werden verfolgt, inhaftiert und ins Exil getrieben.

Die Ausstellung der Gedenkstätte Deutscher Widerstand dokumentiert mit ausdrucksstarken Fotos und Dokumenten den umfassenden Einsatz des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold für die demokratische Republik von Weimar. Sie macht deutlich, dass von einer „Republik ohne Republikaner“ nicht gesprochen werden kann. Zur Ausstellung ist ein Begleitkatalog erhältlich.

 

Geöffnete Denkmale

(1)        „Alte Post“, Blankenburger Straße 9, ab 9 Uhr

(2)        Besucherbergwerk / Waldhotel Mellestollen, Wittmansgereuther Str. 11 – 18 Uhr

(3)        Darrtor, Darrtorstraße, 10 – 17 Uhr

(4)        Ehem. Brauereikeller der Dampfbrauerei, Bohnstraße, 10 – 16 Uhr

(5)        Feengrotten, Feengrottenweg 2, 10 – 17 Uhr

(6)        Gertrudiskirche Graba, An der Gertrudiskirche 1, 10 – 17 Uhr

(7)         „Hutschachtel“ im Rathaushof, Markt 1, 10 – 16 Uhr

(8)        Johanneskirche, Kirchplatz 1, 10 – 18 Uhr

(9)        Kath. Kirche „Corpus Christi“, Pfortenstraße 14, 10 – 17 Uhr

(10)      Kirche zu Aue am Berg, Ortsmitte, 10 – 17 Uhr

(11)      Marienkirche Gorndorf, Ratsgasse 2a, 10 – 12 Uhr

(12)      Martinskapelle, Friedensstraße 62, 10 – 17 Uhr

(13)      Nikolauskapelle Köditz, Kapellenstraße 12, 10 – 12 Uhr

(14)      Orangerie und Schlosspark, Halbe Gasse 20, 10 – 17 Uhr

(15)      Park und Villa Bergfried, Bergfried 1, 13 – 17 Uhr

(16)      Residenzschloss, Schloßstraße 24, 10 – 17 Uhr

(17)      Schlösschen Kitzerstein, Schwarmgasse 24, 10 – 14 Uhr

(18)      Schraubenfabrik E. Zehner, Grabaer Straße 1, 10 – 17 Uhr

(19)      Stadtmuseum im Franziskanerkloster, Münzplatz 5, 10 – 17 Uhr

(20)      Talmühle in Wickersdorf, Nr. 47, 13 – 17 Uhr

(21)      Windmühle Dittrichshütte, An der Windmühle 3, 12 – 18 Uhr

(22)      „Das Loch“, Blankenburger Straße 8-10, ab 11 Uhr