Übersichtskarte zum Historischen Stadtrundgang in Saalfeld Martinskapelle
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22 Martinskapelle

Blick auf die Martinskapelle in der Nähe des Meininger Hofes

Die Martinskapelle, die nach einer unverbürgten Nachricht angeblich bereits 1264 erbaut worden sein soll, wird 1338 als capellen zu den sichen erstmals urkundlich genannt. Sie liegt weit außerhalb der mittelalterlichen Stadtummauerung und war dem heiligen Martin als Schutzpatron der Bedürftigen geweiht. Das im Äußeren schmucklose Gebäude dürfte aufgrund seines Baucharakters noch aus der frühgotischen Zeit des 13. Jahrhunderts stammen, was die erwähnte Baunachricht glaubwürdig erscheinen lässt.

Die Martinskapelle diente als Gotteshaus für die Insassen des Siechenhospitals. Sie war ursprünglich Bestandteil dieses Hospitals, in dem armen und kranken alten Bürgern, Invaliden und Gebrechlichen eine elementare Fürsorge zuteil wurde. Die Mittel zum Unterhalt der zwölf "Pfründnern" des Hospitals - in der Regel Frauen - wurden durch soziale Stiftungen, Rentenkauf, Spenden und Almosen aufgebracht. 1741 wurde anstelle des alten mittelalterlichen Hospitals ein kleines barockes Wohngebäude mit Mansardendach errichtet, welches 12 Wohn- und eine Krankenstube umfasste. An seine Stelle trat 1911 das noch heute bestehende zweigeschossige Gebäude des ehemaligen städtischen Altersheimes. Die Einrichtung des sogenannten Siechenhauses bestand bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Der kleine verschieferte Dachreiter wurde erst in spätgotischer Zeit aufgesetzt, wie zwei noch vorhandene kleine Glocken von 1475 im Dachstuhl bestätigen. Die kleine Westempore mit gemalten Apostelbildern ist ein Werk des Saalfelder Malers Johann Gottwalt, einem Enkel des bekannten Riemenschneider-Schülers Hans Gottwalt. Die ursprünglich reiche Ausstattung der Martinskapelle wird heute in der Sammlung des Stadtmuseums Saalfeld im Franziskanerkloster aufbewahrt.