„Schwarz auf Weiß“ – Vom
Schreiben und Drucken in Saalfeld
Neue
Sonderausstellung im Stadtmuseum
vom 8. Oktober bis 13. November
2005
Die
Erfindung der Schrift und die Vermittlung von Informationen durch Schriftgut
zählen zu den größten kulturellen Errungenschaften der Menschheit.
Im
Mittelalter, bis vor knapp 500 Jahren, konnten Texte nur mit der Hand
geschrieben werden. Das Vervielfältigen von Büchern erfolgte in den Klöstern und
galt als Gott gefälliges Werk. Außerhalb des Klerus war die Kenntnis des Lesens
und Schreibens zu dieser Zeit nur wenig verbreitet. Auch in den beiden
Saalfelder Klöstern, dem Franziskaner- und dem Benediktinerkloster (an der
Stelle des heutigen Schlosses), gab es kleine Skriptorien, in denen Texte
geschrieben und kopiert wurden.
Um 1450
änderte sich diese Situation dann dramatisch: In Mainz erfand Johannes Gutenberg
das Drucken mit beweglichen Lettern. Von nun an konnten Texte, Bücher und bald
auch Grafiken unvergleichlich schneller und in fast unbegrenzter Auflage
hergestellt und vervielfältigt werden. Rasch begann der Siegeszug dieser neuen
Technik, und es entstanden Druckereien in ganz Europa. Bereits 1473 erreichte
die Druckkunst auch Thüringen (Erfurt).
Saalfeld
hinkte dieser Entwicklung lange Zeit hinterher: Hier dauerte es genau zwei
Jahrhunderte länger, bevor 1673 mit der Offizin Johann Ritters eine erste
Druckerei entstand. Aus ihr ging später die Wiedemannsche Druckerei hervor. Und
noch einmal zwei Jahrhunderte vergingen, bis sich das grafische Gewerbe in
Saalfeld zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig entwickelte. Seit dem späten 19.
Jahrhundert nämlich kam es hier zu einem gewaltigen Aufschwung der „Schwarzen
Kunst“, vor allem auf den Gebieten Steindruck sowie der Herstellung von
Abziehbildern und Verpackungsmitteln für die Industrie. Zwischen 1900 und 1990
existierten (wenn auch nicht alle zur selben Zeit) rund 25 Betriebe des
Grafischen Gewerbes in der Stadt, die in ihrer Blütezeit zusammen fast 1.500
Beschäftigten Arbeit boten. Ungeachtet zweier Weltkriege und aller politischer
Umwälzungen florierten diese Betriebe und prägten Saalfeld, das bereits um 1940
den stolzen Beinamen „Stadt der Graphik“ führte.
Erst die
Jahre nach 1990 brachten für diesen Wirtschaftszweig eine entscheidende Zäsur,
deren Folgen nur einige wenige Traditionsbetriebe
überlebten.
Diesem
wichtigen Thema der Saalfelder Kultur- und Industriegeschichte widmet das
Stadtmuseum eine eigene Ausstellung. Sie schlägt den Bogen von den
mittelalterlichen Schreibstuben bis hin zum Grafischen Gewerbe der Neuzeit,
zeigt Fakten, Firmen und Produkte.
Ergänzt
wird die Sonderschau durch ein ganz besonderes „Bonbon“: Der aus Saalfelds
Partnerstadt Kulmbach stammende Maler und Grafiker Manfred Stopfer hat in den
letzten Jahren mehr als 300 Bücher hergestellt, allesamt Unikate, in reiner
Handarbeit illustriert, mit Texten versehen und gebunden. Stopfers zentrale
Themen sind Geschichte und Religion – und folgerichtig finden sich unter seinen
Arbeiten zahlreiche Variationen mittelalterlicher Buchmalerei. Eine Auswahl
dieser Bücher präsentiert der Künstler, der 1996 den Kulturpreis der Stadt
Kulmbach erhielt, nun im Stadtmuseum. Er belegt damit eindrucksvoll, dass die
Erzeugnisse einstiger Klosterskriptorien selbst heute, im Zeitalter modernster
Drucktechniken, ihren Reiz nicht verloren haben.
Dr, Dirk
Henning
Direktor
Stadtmuseum