21.12.2017

Weihnachts- und Neujahrsbotschaft des Bürgermeisters


Warten ist eine Kunst 

Advent feiern heißt warten können; Warten ist eine Kunst, die unsere ungeduldige Zeit vergessen hat.

Sie will die reife Frucht brechen, wenn sie kaum den Sprössling setzte; aber die gierigen Augen werden nur allzu oft betrogen, indem die scheinbar so köstliche Frucht von innen noch grün ist, und respektlose Hände werfen undankbar beiseite, was ihnen so Enttäuschung brachte.

 Wer nicht die herbe Seligkeit des Wartens, das heißt des Entbehrens in Hoffnung, kennt, der wird nie den ganzen Segen der Erfüllung erfahren.

 Wer nicht weiß, wie es einem zumute ist, der bange ringt mit den tiefsten Fragen des Lebens, seines Lebens, und wartend, sehnend ausschaut bis sich die Wahrheit ihm entschleiert, der kann sich nichts von der Herrlichkeit dieses Augenblicks, in dem die Klarheit aufleuchtet träumen, und wer nicht um die Freundschaft, um die Liebe eines anderen werben will, wartend seine Seele aufschließt der Seele des anderen, bis sie kommt, bis sie Einzug hält, dem bleibt der tiefste Segen eines Lebens zweier Seelen ineinander für ewig verborgen.

 Auf die größten, tiefsten, zartesten Dinge in der Welt müssen wir warten,
da geht’s nicht im Sturm, sondern nach den göttlichen Gesetzen des Keimens und Wachsens und Werdens. 

Dietrich Bonhoeffer

Weihnachts- und Neujahrsbotschaft des Bürgermeisters

Liebe Saalfelderinnen und Saalfelder,
liebe Freunde unserer Stadt,
verehrte Gäste und Ehemalige,

Dietrich Bonhoeffer ist in meinem Leben wichtig. Seine Worte machen Mut, sich bewusst auf die adventliche Zeit des Wartens einzulassen und die wunderbare Weihnachtsbotschaft mit offenem Herzen anzunehmen: „Deine Natur ist angenommen, dein ganzes Leben ist angenommen.“

Angenommen sein, angekommen sein, zu Hause sein, bei Familie und Freunden zu sein. Wie keine andere Zeit im Jahr stehen Advent und Weihnachten für diese besonderen Gefühle und Stimmungen. Ich wünsche Ihnen allen, dass Sie dies auch erleben können.

Die Advent- und Weihnachtszeit ist traditionell der Vorbote des nahenden Jahreswechsels. Das Jahr 2017 neigt sich dem Ende entgegen und wir erinnern uns an anspruchsvolle, ereignisreiche und erfolgreiche zwölf Monate, die jetzt Saalfelder Geschichte sind.

Saalfeld ist finanziell auf einem guten Weg zur Gesundung und die Probleme der Haushaltssicherung werden Schritt für Schritt überwunden. Es bleibt Aufgabe, auch zukünftig Nachhaltigkeit und finanzielles Verantwortungsbewusstsein bei städtische Entscheidungen anzustreben.

Die Beinamen unserer Stadt – Steinerne Chronik Thüringens und Feengrottenstadt – standen in diesem Jahr ganz besonders im Fokus der städtebaulichen und strategischen Stadtentwicklung. Die gemeinsame Bewerbung der Dreiklangstädte Saalfeld/Saale, Rudolstadt und Bad Blankeburg um die Ausrichtung der Landesgartenschau 2024 im Städtedreieck sowie die Anstrengungen vielfältiger lokaler Akteure zur Erreichung des Prädikates „Ort mit Heilstollenkurbetrieb“ haben gezeigt, was möglich ist, wenn wir in der Stadt und in der Region zusammenstehen.

Infrastrukturell wurden 2017 sicherlich nochmals „kleinere Brötchen gebacken“, aber selbst die beendeten Maßnahmen wie der grundhafte Ausbau der Arvid-Harnack-Straße und die neue Brücke im Siechenbachtal zeugen von dem festen Willen des Stadtrats und der Stadtverwaltung, die Stadt auch mit einem geringeren Budget weiterzuentwickeln. Unterstrichen wird das mit der derzeitigen Arbeit an dem fortzuschreibenden Stadtentwicklungskonzept und der Entwicklung einer Nachhaltigkeitsstrategie für die nächsten Jahre.

Im gemeinschaftlichen Gedächtnis bleiben vor allem Begegnungen, Ereignisse, Bilder und Emotionen, die den Ruf Saalfelds als l(i)ebenswerte Stadt festigten.

Kulturelle Vielfalt bot sich uns und unseren Gästen u. a. mit Marktfest, Jazztagen, Kirchenmusiktagen, MDR Sommernachtsball, Tag des offenen Denkmals, Weihnachts- und Eiszauber sowie vielen weiteren Veranstaltungen im klassischen und subkulturellen Bereich. Beeindruckend war die Erstellung eines Sandmandalas durch tibetische Mönche, das der Stadt nach buddhistischen Glaubensvorstellungen Glück und Segen verheißen soll. Ich erinnere mich gerne an die Besuche des bolivianischen Botschafters Jorge Cárdenas Robles, des Thüringer Ministerpräsidenten Bodo Ramelow sowie der Botschafterin für Demokratie und Toleranz Freya Klier in diesem Jahr zurück.

Fundament für viele bleibende Erinnerungen war und ist das beispielgebende gemeinnützige und durch Eigeninitiative bestimmte Engagement vieler ehrenamtlicher Akteure in Saalfeld sowie die fördernde Unterstützung von Unternehmern, Handwerkern, Händlern und Gastronomen in Kultur, Sport und Bildung sowie für Kinder, Jugend, Familie und Senioren. Herzlich danke ich allen, die anpacken, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, für ihre Heimat und ihre Stadt identitätsfördernd zu wirken und sich für den Gemeinsinn in unserer Region tagtäglich einsetzen. Ich danke ebenso den Menschen, die mit ihrem Dienst an Wochenenden und Feiertagen – speziell auch an den Weihnachtstagen und zum Jahreswechsel – dafür sorgen, dass wir daheim beruhigt feiern können und Menschen nicht allein sind. Herzlichen Dank.

Die Gedanken an jene, die weit weg oder nicht mehr unter uns sind, erinnern uns an die ernste Seite eines Jahresrückblickes. Das erste Weihnachten nach dem Verlust eines geliebten Menschen ist besonders schwer.

Liebe Saalfelderinnen und Saalfelder,

ich freue mich auf neue Herausforderungen und Möglichkeiten die sich unserer Stadt im Jahr 2018 eröffnen. Es stehen beispielsweise Investitionen in Schulen und Sportstätten sowie im Stadtmuseum und für Straßen an. Ein Ingolstädter Unternehmen wird im Industriegebiet „Am Bahnbogen Saalfeld“ einen neuen Produktionsstandort errichten. Kurzum: Es wird sich wieder einiges bewegen in Saalfelds Stadtentwicklung. Wichtig ist mir, dass wir, egal was vor uns liegen mag, die Zukunft Saalfelds weiterhin gemeinschaftlich gestalten. Es braucht den Lückenschluss zwischen Bürgerschaft, Stadtrat, Verwaltung und Bürgermeister damit erfolgreich eingeschlagene und neue Wege zukunftsorientiert und nachhaltig gemeistert werden können.

Liebe Saalfelderinnen und Saalfelder,

Bonhoeffer sagte einmal: „Dankbarkeit macht das Leben erst reich.“ Zum 1. Juli 2018 werde ich in den Ruhestand treten. Ich bin dankbar, dass mir der Stadtrat für zwei Legislaturperioden als Erster Beigeordneter und die Saalfelderinnen und Saalfelder für zwei Amtszeiten als Bürgermeister ihr Vertrauen geschenkt haben. Ich habe diese Ämter gerne, nach besten Kräften und mit viel Freude ausgeübt. Ich empfinde es als besonderes Glück in meiner Biographie, nach der Diktatur des SED-Regimes heute in einem freien Land zu leben und meiner Stadt an diesen prominenten Stellen gedient haben zu dürfen. Eine schönere, anspruchsvollere Aufgabe hätte es für mich nicht geben können.

Im neuen Jahr wird eine neue Bürgermeisterin oder ein neuer Bürgermeister mir im Amt nachfolgen. Liebe Saalfelderinnen und Saalfelder, nehmen Sie das Königsrecht aller Demokraten – Ihr Wahlrecht – bitte ernst und wahr. Einer Demokratie geht es dann gut, wenn sich Bürgerinnen und Bürger einbringen. Ja, mehr noch, sie steht und fällt mit dem Engagement ihrer Bürgerinnen und Bürger. Befinden Sie also mit darüber, wer Saalfelds neues Stadtoberhaupt wird.

Liebe Saalfelderinnen und Saalfelder,

ich wünsche Ihnen persönlich – aber auch im Namen des Stadtrates und aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt Saalfeld/Saale - eine friedliche und besinnliche Advents- und Weihnachtszeit sowie alles Gute und Gottes Segen für das kommende Jahr und schließe – wie ich begonnen haben – mit Worten von Dietrich Bonhoeffer:

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Gesegnete und frohe Weihnachten.

 

Ihr Matthias Graul
Bürgermeister der Stadt Saalfeld/Saale

 

Dank für Weihnachts- und Neujahrsgrüße

Ich verbinde meine diesjährige Weihnachtsbotschaft erneut mit meinem herzlichen Dank für die mir zahlreich gesandten Weihnachts- und Neujahrsgrüße. Ihre gedankenvollen Worte begleiten mich während der Weihnachtstage und stärken mich für das neue Jahr.